XXL-Weltmeisterschaft 2026: Alles nur Show? - DW.com
Die Weltmeisterschaft 2026, die in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen wurde, endete mit dem Sieg Spaniens im Finale gegen Argentinien. Dieser Erfolg markiert einen historischen Moment, da sowohl die Männer- als auch die Frauennationalmannschaft Spaniens gleichzeitig Weltmeister sind. Das Turnier, das von FIFA-Präsident Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump als ein außergewöhnliches Ereignis gelobt wurde, war von einer Reihe von Neuerungen und Diskussionen geprägt.
Die Zuschauerzahlen übertrafen alle Erwartungen: Über 6,25 Millionen Fans besuchten die Stadien bereits vor den Viertelfinals, ein Rekord für eine Weltmeisterschaft. Dies ist teilweise auf die erhöhte Anzahl von 104 Spielen zurückzuführen, verglichen mit den früheren 64 Begegnungen. Der durchschnittliche Zuschauerbesuch lag bei etwa 65.000 pro Spiel, wobei die Stadien zu 99,7 Prozent ausgelastet waren, obwohl in der Gruppenphase auch freie Plätze zu sehen waren.
Neuerungen und Kritikpunkte der XXL-WM
Eine der auffälligsten Neuerungen waren die offiziellen Trinkpausen, die von den meisten Trainern akzeptiert wurden. Der ehemalige uruguayische Trainer Marcelo Bielsa kritisierte diese Unterbrechungen jedoch scharf, da sie die traditionelle Vorstellung des Fußballs veränderten und dem Spiel seiner Meinung nach mehr nahmen als gaben.
Das Finale bot eine ausgedehnte Halbzeitshow, die mit Auftritten von Künstlern wie Madonna, Shakira, Justin Bieber und der K-Pop-Band BTS aufwartete. Diese Show führte zu einer Verlängerung der Halbzeitpause auf 27 Minuten, was bei einigen Trainern auf Kritik stieß, da sie die Zeit für taktische Besprechungen mit ihren Mannschaften verkürzte.
Die WM 2026 sah auch eine Rekordzahl an Spielern über 40 Jahren in den offiziellen Kadern der Nationalteams. Während in fast einem Jahrhundert WM-Geschichte nur sieben Spieler dieses Alters teilnahmen, waren es bei diesem Turnier auf einen Schlag sieben.
Finanziell war die Weltmeisterschaft für die Fans eine Herausforderung. Die Ticket-, Hotel- und Reisekosten waren hoch, und die Preise in den Stadien sorgten für zusätzlichen Unmut. Berichten zufolge kostete ein Bier in den USA bis zu 20 Euro und in Mexiko im Aztekenstadion etwa 15,50 Euro, was fast dem gesetzlichen Tagesmindestlohn des Landes entsprach.
Sportliche Überraschungen und politische Einmischung
Sportlich gab es einige Überraschungen. Der WM-Neuling Kap Verde erreichte ein 0:0 gegen Weltmeister Spanien und schied erst im Sechszehntelfinale nach Verlängerung gegen Titelverteidiger Argentinien aus. Die DR Kongo erzielte ein 1:1 gegen Portugal mit Cristiano Ronaldo, und Paraguay eliminierte Deutschland im Sechszehntelfinale. Curaçao, der kleinste WM-Teilnehmer, schrieb Geschichte mit seinem ersten WM-Tor gegen das DFB-Team und dem ersten WM-Punkt gegen Ecuador.
Ein Vorfall, der für Aufsehen sorgte, war die Annullierung der Roten Karte für US-Stürmer Folarin Balogun vor dem Achtelfinale gegen Belgien. US-Präsident Donald Trump hatte sich persönlich bei FIFA-Präsident Gianni Infantino für eine Überprüfung der Sperre eingesetzt, was zu Kritik am FIFA-Chef führte. Trotz der Aufhebung der Sperre schieden die USA nach einer 1:4-Niederlage gegen Belgien aus dem Turnier aus.
Die Sicherheitslage war ebenfalls ein Thema. Während die Spiele in Kanada und den USA weitgehend reibungslos verliefen, kam es in Mexiko zu Zwischenfällen, darunter ein überfülltes Fanfest in Guadalajara und Todesfälle bei Jubelfeiern in Mexiko-Stadt. Zudem wurde dem somalischen Schiedsrichter Omar Artan trotz gültigem Visum die Einreise in die USA verweigert.
Die Menschenrechtslage während der WM wurde von Organisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International USA kritisiert, die der FIFA vorwarfen, ihre eigenen Menschenrechtsstandards gegenüber der US-Regierung nicht eingehalten zu haben. Ronan Evain von ‚Football Supporters Europe‚ bemängelte die undurchsichtige Visavergabe für Fans aus nicht-europäischen Ländern.
Das Finale zwischen Argentinien und Spanien war auch eine Reise wert für die TV-Experten. Das ZDF entsandte Christoph Kramer und Per Mertesacker sowie Moderator Jochen Breyer nach East Rutherford, nachdem sie zuvor aus Berlin kommentiert hatten. Auch MagentaTV war mit einer Expertengruppe, darunter der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp, Tabea Kemme, Thomas Müller und Mats Hummels, vor Ort.
Der Weltmeister erhält ein Rekord-Preisgeld von 50 Millionen Dollar, während der Verlierer des Endspiels 33 Millionen Dollar erhält. England, das den dritten Platz belegte, erhielt 29 Millionen Dollar, und Frankreich als Vierter 27 Millionen Dollar.
Nach dem Turnier zieht FIFA-Präsident Infantino eine weitere Vergrößerung der Weltmeisterschaft auf 64 Teams in Betracht, was die Anzahl der Spiele auf 128 erhöhen würde. Seine Position als FIFA-Präsident gilt trotz Kritik als gesichert, und es wird erwartet, dass er im März 2027 zum dritten Mal im Amt bestätigt wird.
Read Also
Source: dw.com