„Wir Deutschen sollten mal locker bleiben“
Die WM-Halbzeitshow und die Reaktionen
Die erste Halbzeitshow bei einem Fußball-WM-Finale bot ein großes Aufgebot an Stars, wurde jedoch von einigen als hastiges Sammelsurium kritisiert. Die verlängerte Halbzeitpause, die für die Show auf 27 Minuten ausgedehnt wurde, führte zu Diskussionen. Während einige die Darbietung als Höhepunkt einer „durchamerikanisierten“ Weltmeisterschaft mit „Superbowl-Stimmung“ empfanden, äußerten andere Bedenken.
In einer Online-Debatte gaben 82 Prozent der Befragten an, dass die Show zu viel für ein WM-Finale gewesen sei. Ein Nutzer namens Carsten Rauschenberg schlug vor, das Geld für die Show und die Stars einzusparen, um stattdessen die Ticketpreise zu senken. Hans-Peter Uhlenberg meinte, die Show habe im Fußball nichts zu suchen und sei nur für „Superreiche“ gewesen. Andere, wie Burkhard Thomas, erwarteten eine große Show von den Amerikanern und rieten dazu, „locker zu bleiben“.
Andre Saynisch hingegen fand das Gemecker typisch deutsch und ihm persönlich gefiel die Show. Er zog Shakira den Analysen von Experten vor. Ralph Fritzsch bemerkte, dass niemand gezwungen sei, die Show anzusehen, und dass sie dem Großteil der Welt gefallen habe. Er kritisierte die „Neidkultur“ in Deutschland. Michael Lichtenberg gab an, in der Halbzeitpause abgeschaltet zu haben, da für ihn Fußball und Show getrennt seien.
Ulf Tetzlaff sah die Weltmeisterschaft als Teil der Unterhaltungsindustrie und fand die Halbzeitshow sogar besser als manche Passagen des Endspiels. Gabriele Schmitt bezeichnete Shakira als „absoluten Knaller“ und die Band BTS als „top“. Sie betonte, dass nicht jedem alles gefalle, aber für jeden etwas dabei gewesen sei. Daniel Proietti äußerte die Ansicht, dass die FIFA zu einer reinen Geldmaschine verkommen sei und der Fußball dem Kommerz verfallen sei, was sich auch in der Halbzeitshow und den angeblichen Trinkpausen zeige.
Die Darbietungen der Stars
Chris Martin, der Frontmann von Coldplay, wurde von der FIFA beauftragt, die erste Half-Time-Show bei einem WM-Finale zu kuratieren. Die Aufgabe war nicht einfach, da Puristen die showbedingte Verlängerung der Halbzeit bemängelten. Sportärzte befürchteten angeblich ein Auskühlen der Athleten, was im Juli in New York als abwegig galt.
Die Show präsentierte eine Reihe von Künstlern. Neben den Muppets traten die K-Pop-Stars BTS, Justin Bieber, der Dirigent Gustavo Dudamel und Shakira mit Burna-Boy auf. Shakira und Burna-Boy sangen die offizielle WM-Hymne „Dai Dai“, begleitet von tanzenden Kindern. Justin Bieber wirkte mit seiner Gitarre verloren, fast so, als wollte man ihn schnell aus dem Stadion führen. BTS hingegen zeigten sich routiniert und professionell.
Die undankbarste Rolle hatte Madonna, deren aktuelles Album „Confessions II“ die Nummer eins war. Sie sang nicht ihren neuen Hit „Danceteria“, sondern ihr Lied „Music“. Ihr Auftritt begann in einer Tiefgarage zwischen Rollerblade fahrenden Tänzern, eine Hommage an die New Yorker Disco „Roxy“. Anschließend fuhr sie in einem Dune-Buggy aufs Spielfeld, begleitet von den brasilianischen Fußballlegenden Ronaldo und Ronaldinho. Dieser Anblick wurde als ungewöhnlich beschrieben, da Madonna bei ihren Auftritten normalerweise jüngere, durchtrainierte Männer bevorzugt.
Das Finale der Show wurde als kurios bis peinlich empfunden, als der Grundschulchor der PS22 zusammen mit Chris Martin den neuen Coldplay-Song „Believe in Love“ sang und im Zentrum des New York-New Jersey-Stadions das Wort „Love“ bildete. Dies wurde als versöhnliche Neo-Hippie-Botschaft Martins beschrieben, die einen bizarren Kontrast zu einer WM bildete, die von Diskussionen um Kartenpreise und Schiedsrichterentscheidungen geprägt war. Der Fußballer Wayne Rooney fasste seine Meinung mit den Worten zusammen: „Mein Highlight war, als es vorbei war. Ich fand es Schrott.“
Vor und nach der Halbzeitshow
Vor dem Anpfiff des Finales fand die FIFA-Abschlussfeier dieser Weltmeisterschaft statt. Rund anderthalb Stunden vor dem Spiel traten der YouTuber IShowSpeed und der Sänger Post Malone auf. Danach sang die Grammy-Gewinnerin Jennifer Hudson die US-Nationalhymne. Kurz vor Spielbeginn standen Robbie Williams, Nicole Scherzinger und Laura Pausini gemeinsam auf der Bühne.
Schließlich hielt der Schauspieler Tom Cruise eine kurze Ansprache, in der er dazu aufrief, das Turnier zu feiern, das die Welt zusammengebracht habe. Während der Halbzeitshow wurde es noch spektakulärer. Justin Bieber wurde von den Schauspielern Jason Sudeikis und Brendan Hunt aus der Fußballserie „Ted Lasso“ eingewechselt. Er spielte Gitarre und sang seinen Song „Everything Hallelujah“ mit einer WM-Version der Textzeile: „It’s the World Cup – Hallelujah.“
Während auf den Leinwänden Szenen aus dem Turnier und der Fußballgeschichte eingeblendet wurden, trat der venezolanische Stardirigent Gustavo Dudamel gemeinsam mit der Band Coldplay und einem New Yorker Grundschulchor auf. Unterstützt wurden sie von einem besonderen Schlagzeuger: „Animal“ war mit der gesamten Band der „Muppet Show“ im Stadion. Im Publikum waren unter anderem die Schauspieler Timothée Chalamet und Anya Taylor-Joy, sowie der NBA-Champion Jalen Brunson anwesend. Am Ende des Turniers krönte sich Spanien zum Weltmeister.
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Source: bild.de