WM: Das Drumherum zeigt seine hässlichste Fratze - Kommentar - SPORT1
Eine WM der Superlative und Widersprüche
Die jüngste Fußball-Weltmeisterschaft wurde als Turnier der Superlative beschrieben, mit einer Rekordzahl von 104 Spielen und drei Gastgeberländern. Im Durchschnitt besuchten 65.000 Zuschauer pro Partie die Stadien, was eine beispiellose Kulisse schuf. Die Atmosphäre wurde maßgeblich von den Fans geprägt, darunter Anhänger aus Schottland, Mexiko, den Niederlanden und Argentinien, die Stadien und Innenstädte in ein großes Fußballfest verwandelten.
Trotz der beeindruckenden Fanbeteiligung und der Leistungen auf dem Spielfeld, bei denen die Profis und insbesondere die Stars dieser Generation überzeugten und Rekorde brachen, gab es auch kritische Stimmen. Die erste Halbzeitshow in der Geschichte der WM, die über 27 Minuten dauerte und den Super Bowl imitieren sollte, konnte die Erwartungen nicht erfüllen. Große Namen lieferten wenig Spektakel.
Einige Spiele boten jedoch hohen Unterhaltungswert, wie das Achtelfinale zwischen England und Gastgeber Mexiko im Aztekenstadion, die Partien Brasilien gegen Norwegen und Argentinien gegen Ägypten, sowie ein Zehn-Tore-Spektakel im Spiel um Platz drei.
Kritik an Organisation und Politik
Während der Fußball auf dem Platz glänzte, zeigte das Umfeld der WM ein weniger erfreuliches Bild. Die Ticketpreise wurden als unverschämt hoch kritisiert, und obwohl die Stadien voll waren, war dies für viele Fans nur mit erheblichen finanziellen Anstrengungen möglich. Neben den hohen Ticketkosten kamen strapaziöse und teure Anreisen, überteuerte Hotels in den Spielorten und hohe Preise für Verpflegung hinzu. Dies führte zu der Einschätzung, dass die WM ein Luxus war, den sich kaum jemand leisten konnte, was sie zur fanunfreundlichsten Weltmeisterschaft aller Zeiten machte.
Ein weiterer Kritikpunkt waren die großzügigen Werbepausen, die als Trinkpausen getarnt wurden, obwohl die Temperaturen in den Stadien meist angenehme 22 Grad betrugen. Diese Pausen wurden als sportlich unnötig empfunden und verlängerten das Stadionerlebnis auf eine Weise, die nicht im Sinne der Fans war.
Die Vermischung von Fußball und Politik wurde ebenfalls stark kritisiert. US-Präsident Donald Trump überschattete das Turnier mit seiner Einmischung im Fall Balogun. FIFA-Präsident Gianni Infantino wurde vorgeworfen, dem nachgegeben und darin kein Problem erkannt zu haben, was die ohnehin schon negativ behaftete FIFA weiter in den Fokus der Kritik rückte. Die US-Mannschaft zerbrach unter dem Trubel des Skandals und schied aus dem Turnier aus.
Die Politik und der Fußball gingen während des Turniers Hand in Hand, was sich unter anderem in dem peinlichen Versuch zeigte, sich gemeinsam mit Trump ins Zentrum des Siegerfotos zu drängen. Trotz der Pfiffe, die Infantino bei jeder Einblendung in den Stadien erhielt, werden ihm gute Chancen auf eine Wiederwahl eingeräumt.
Die unvergängliche Magie des Fußballs
Trotz aller organisatorischen und politischen Kontroversen zeigte der Sport immer wieder seine Fähigkeit, sich gegen seine Funktionäre zu behaupten. Unvergessliche Momente entstanden durch die Fans, wie die Schotten, die Boston „leertranken“ und eine Städtepartnerschaft zwischen Glasgow und der US-Metropole für das nächste Jahr anstrebten. Auch die rudernden Wikinger, hüpfenden Niederländer und tanzenden Fans aus Curaçao trugen zur einzigartigen Atmosphäre bei.
Die Debütanten von Kap Verde blieben als einzige Mannschaft gegen Spanien ungeschlagen und erklärten sich augenzwinkernd zur zweitbesten Mannschaft des Turniers. Ein Torhüter aus Kap Verde wurde innerhalb weniger Tage zu einem Social-Media-Star. Fans verschiedenster Nationen feierten, lachten und weinten gemeinsam, was die universelle Anziehungskraft des Spiels unterstreicht.
Die WM 2026 hat gezeigt, dass die Seele des Sports stärker ist als die Interessen seiner Profiteure. Die Magie von Lionel Messis Spiel, Erling Haalands Auftreten und das Zusammenspiel Spaniens haben den Fußball in die amerikanische Sportkultur integriert. An Supermarktkassen wurde über Abseits diskutiert, und die TV-Quoten erreichten Werte, die sonst nur bei wichtigen NFL-Spielen üblich sind. Die Welt war zu Besuch, und die Amerikaner zeigten sich offen, neugierig und gastfreundlich, oft mit der Bitte, sie nicht mit ihrem Präsidenten zu verwechseln.
Der Fußball bleibt am Ende auf dem Platz und gehört den Spielern und vor allem den Fans, ungeachtet der Verfehlungen abseits des Spielfelds.

Die größte WM der Geschichte ist zu Ende und hinterlässt neben einem verdienten Weltmeister auch viele Fragen. Die längste WM war eine WM der Widersprüche, mit neuen Erfahrungen wie Toren, die durch Kamerakabel beeinflusst wurden, oder Spielern, die nicht einreisen durften. Der Weltverband trat seine eigenen Regeln mit Füßen, sei es bei der Länge der Halbzeitshow, der Anpassung der Trinkpausen an Werbeblöcke oder der Wahrung der politischen Neutralität des Sports. Der sogenannte FIFA-Friedenspreis wird als Schandfleck für den Verband und seine Funktionäre in Erinnerung bleiben.
Trotz all dieser Aspekte bleibt die Liebe zum Fußball bestehen. Wie Diego Armando Maradona sagte: „Ich habe mich geirrt und dafür bezahlt. Aber der Ball bleibt unbefleckt.“ Der Sport bleibt, was er ist: schöner Fußball, unabhängig von den persönlichen Verfehlungen abseits des Platzes. Wer den Fußball liebt, darf ihn sich von niemandem wegnehmen lassen.
Die WM 2026 hat gezeigt, dass das Gefühl der Weltmeisterschaft nicht wegen der FIFA entsteht, sondern trotz ihr. Die FIFA bemüht sich, die WM zu zerstören, schafft es aber nicht, da das Geheimnis der Fußball selbst ist. Die Gäste brachten gute Stimmung mit, die Schotten tranken, die Norweger ruderten, und die Argentinier sangen sich durch das Turnier und das Land. Die Deutschen schieden aus, aber Freddy ging viral, weil er Fast-Food-Klitschen feierte, in die sich selbst viele Amerikaner nicht trauen.
Die Welt war zu Besuch, und die Amerikaner waren froh und vielleicht sogar selbst am meisten überrascht von diesem Gefühl. Die WM hat gezeigt, dass die Seele des Sports noch immer stärker ist als seine Profiteure.
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Source: sport1.de