"Hatte er die Klasse?": Deschamps wirft brisante Frage in den Raum
Französische Enttäuschung im WM-Halbfinale
Nach der Niederlage im WM-Halbfinale gegen Spanien hat Didier Deschamps, der Trainer der französischen Nationalmannschaft, kritische Fragen zur Leistung des Schiedsrichters Ivan Barton aufgeworfen. Trotz der Niederlage, die die französischen Titelträume beendete, betonte Deschamps, dass die Schuld für das Ausscheiden primär bei seinem Team liege. Das Spiel um Platz 3 am Samstag wird das letzte Spiel für Deschamps als Trainer der französischen Nationalmannschaft sein.
Die spanische Mannschaft setzte sich im Halbfinale durch und beendete damit die Hoffnungen der Franzosen auf einen weiteren WM-Titel. Deschamps, der als Spieler 1998 Weltmeister wurde und Frankreich 2018 als Trainer zum Weltmeistertitel führte, wird den Verband nach dem Turnier verlassen, eine Entscheidung, die bereits vor der Weltmeisterschaft bekannt gegeben wurde.
Deschamps‘ Fragen zur Schiedsrichterleistung
Unmittelbar nach dem Spiel äußerte Didier Deschamps seine Bedenken bezüglich der Schiedsrichterleistung. Er stellte die Frage in den Raum, ob Ivan Barton, der Schiedsrichter aus El Salvador, das Niveau für ein WM-Halbfinale besessen habe, fügte jedoch hinzu, dass er diese Frage nicht beantworten werde. Er betonte, dass der Unparteiische nicht der Grund für die Niederlage gewesen sei, räumte aber ein, dass es einige fragwürdige Situationen gegeben habe, teilweise auch zugunsten Frankreichs.
Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel wiederholte Deschamps seine kritische Haltung. Er sprach von mehreren Entscheidungen vor der Halbzeitpause, die er als „mehr als fragwürdig“ bezeichnete. Er erwähnte, dass er mit dem vierten und fünften Offiziellen normal sprechen konnte und diese einige Dinge ähnlich wie er selbst gesehen hätten. Dennoch wollte er nicht als schlechter Verlierer erscheinen und vermied es, eine direkte Antwort auf seine eigene Frage nach der Würdigkeit des Schiedsrichters zu geben.
Ivan Barton hatte im Halbfinale seinen vierten Einsatz bei dieser Weltmeisterschaft. Zuvor hatte er dreimal souveräne bis sehr gute Leistungen gezeigt. Eine kuriose Szene ereignete sich, als er sich vor einem Freistoß für Spanien in der Anfangsphase ein Freistoßspray von einem Assistenten reichen lassen musste. Mitte der ersten Hälfte pfiff Barton einen Elfmeter für Spanien, den der Europameister zur Führung nutzte. Kurz zuvor hatte Frankreichs Michael Olise Glück, dass er für ein hartes Einsteigen gegen Rodri nur eine mündliche Verwarnung erhielt. Ein Schiedsrichterexperte sah in dieser Szene das Potenzial für eine Rote Karte.
Analyse der französischen Leistung
Trotz der Diskussionen um den Schiedsrichter räumte Didier Deschamps ein, dass Spanien im Halbfinale die bessere Mannschaft war. Er erklärte, dass Spanien auf einem anderen Niveau gespielt habe und sein Team schwach gewesen sei. Die Franzosen seien daran gehindert worden, ihr eigenes Spiel zu entwickeln, und hätten technisch nicht gut agiert. Sie waren gezwungen zu verteidigen und konnten dem Gegner nicht genügend Probleme bereiten. Deschamps betonte, dass die Schuld zuerst bei seinem Team liege und er keine Ausreden suchen wolle.
Die französische Mannschaft zeigte im Halbfinale nicht den erfrischenden Angriffsfußball, der sie ins Semifinale gebracht hatte. Es fehlte an Tempo und Ideen, und es gab ungewöhnlich viele Fehlpässe. Kylian Mbappé, Michael Olise und Ousmane Dembelé, die zuvor eine zaubernde Angriffsreihe bildeten, waren gegen Spanien kaum ein Faktor. Mbappé mühte sich zwar, war aber weitgehend auf sich allein gestellt. Olise und Dembelé blieben unauffällig, während Bradley Barcola zumindest einige Bemühungen zeigte.
Auch die Wechsel von Deschamps verpufften weitgehend wirkungslos. Lediglich die Auswechslung von William Saliba in der 30. Minute war verletzungsbedingt. Die anderen Wechsel sollten die Spielstatik verändern, führten aber nicht zum gewünschten Erfolg. Das Problem der Franzosen lag nicht an mangelnder individueller Klasse, sondern am Glauben, Spanien mit Schönspielerei schlagen zu können. Die spanische Mannschaft hingegen zeigte Entschlossenheit und Kampfgeist, was sich auch in robusten Zweikämpfen manifestierte. Die Enttäuschung nach dem verpassten Finale war bei den Franzosen groß.
Die Niederlage dient als Warnung für die Zukunft der französischen Nationalmannschaft. Das Team muss lernen, während eines Spiels flexibler zu agieren. Diese Aufgabe wird jedoch nicht mehr unter Didier Deschamps erfolgen. Nach dem Spiel um Platz drei am Samstag, das sein 187. und letztes als Trainer sein wird, soll Zinedine Zidane die Nachfolge antreten.
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Source: n-tv.de