Aldag kritisiert Evenepoel: "Absolut unnötig"
Evenepoels öffentliche Kritik sorgt für Unruhe
Die jüngsten Äußerungen von Remco Evenepoel nach der siebten Etappe der Tour de France haben innerhalb des Teams Red Bull-Bora-hansgrohe und darüber hinaus für Diskussionen gesorgt. Rolf Aldag, der bis 2025 als Sportlicher Leiter für den deutschen Rennstall tätig war, äußerte sich kritisch zu Evenepoels Verhalten. Aldag betonte, dass solche internen Angelegenheiten nicht in die Öffentlichkeit gehören. Er schlug vor, dass Evenepoel seine Bedenken direkt mit Florian Lipowitz besprechen sollte, anstatt sie öffentlich zu machen.
Evenepoel hatte seinen deutschen Co-Kapitän Lipowitz kritisiert, weil dieser seiner Bitte um Unterstützung im Sprint nicht nachgekommen sei. Der belgische Doppel-Olympiasieger erklärte, er sei wütend gewesen und dies zu Recht. Diese öffentliche Kritik wurde von Aldag als „absolut unnötig“ bezeichnet. Aldag hinterfragte Evenepoels Erwartung, dass Lipowitz für ihn den Sprint anfahren sollte, und wies darauf hin, dass taktische Entscheidungen von den Sportlichen Leitern getroffen werden, von denen vier bei der Tour de France für die Taktik zuständig sind.
Reaktionen und mögliche Nachwirkungen
Nach den Vorfällen versuchten alle Beteiligten, die Situation zu beruhigen. Sowohl Lipowitz als auch Evenepoel erklärten das Thema für abgeschlossen. Auch Teammanager Ralph Denk äußerte sich im mannschaftseigenen Podcast und betonte, dass das Thema intern geklärt sei und sich das Team nun auf das Rennen konzentriere. Trotz dieser Bemühungen zur Glättung der Wogen befürchtet Aldag, dass Evenepoels Aktion langfristige Auswirkungen haben könnte.
Aldag mutmaßte, dass sowohl deutsche als auch belgische Fans die Situation nun sehr kritisch beobachten würden. Er betonte, dass solche Unruhe innerhalb eines Teams nicht wünschenswert sei und Evenepoels Verhalten daher „absolut unnötig“ gewesen sei. Aldag fügte hinzu, dass die Situation zwar nicht so dramatisch oder katastrophal sei, wie sie teilweise interpretiert werde, der angerichtete Schaden jedoch bereits spürbar sei. Er wies darauf hin, dass nun von allen Fans und Beobachtern sehr genau hingeschaut werde, wer für wen fährt und wie die Fahrer positioniert werden.

Aldag kritisierte auch die Presseabteilung des Teams und fragte, ob solche Situationen nicht besser kontrolliert werden könnten. Er beschrieb Evenepoel als eine „tickende Zeitbombe“ und fragte sich, ob man ihn nicht schon vorher hätte einfangen können, wenn bekannt sei, dass er zu solchen Äußerungen neigt. Robert Bengsch, der ebenfalls im Velo Club diskutierte, merkte an, dass Evenepoels Statement so klinge, als sei es bei der Katalonien-Rundfahrt vorbereitet worden, um nun sagen zu können: „Ich bin doch damals auch für dich gefahren.“ Bengsch betonte, dass dies nicht vergleichbar sei und man in solchen Situationen cooler bleiben müsse, anstatt sich vor die Kamera zu stellen.
Die Rolle der Co-Kapitäne und interne Hierarchien
Die Diskussion um Evenepoels Äußerungen wirft auch ein Licht auf die Herausforderungen von Doppelspitzen in Radsportteams. Teamchef Ralph Denk hatte vor der Tour de France erklärt, dass Remco der Frontmann und Florian der Wingman sei, was sich jedoch auf die Medienpräsenz und nicht auf eine sportliche Hierarchie bezog. Evenepoel, der seit seiner Zeit als Junior als unumstrittener Frontmann gilt, forderte einen Leadout von Lipowitz, den er nicht erhielt.
Die Kritik Evenepoels, dass er um einen Leadout gebeten und keinen bekommen habe, und seine Wut darüber wurden von einigen Seiten infrage gestellt. Es wurde argumentiert, dass Lipowitz‘ Hilfe Evenepoel zwar zu 4 Bonussekunden hätte verhelfen können, Lipowitz sich aber auch selbst der Gefahr ausgesetzt hätte, wertvolle Sekunden zu verlieren. Die Möglichkeit, mit einem Kapitän Sekunden zu gewinnen, ging Hand in Hand mit dem Risiko, mit dem anderen Leader Zeit zu verlieren. Diese Art von „Kuhhandel“ sei ein „absolutes No-Go“ für eine öffentliche Äußerung.
Die öffentliche Kritik Evenepoels wurde als Zeichen dafür gewertet, dass er seine eigene Rolle und die von Lipowitz – zumindest so, wie sie öffentlich kommuniziert wurden – nicht verstanden hat. Die entstandene Unruhe, die sich über die nächsten Tage fortsetzen könnte, wird als ärgerlich empfunden, insbesondere da es um 4 Sekunden ging, die am Ende des Rennens möglicherweise nicht rennentscheidend sein werden. Der Schaden, den Evenepoels Aussagen anrichten, wird als weitaus größer eingeschätzt, auch wenn er weniger messbar ist. Dennoch wurde Evenepoels Frustration als verständlich angesehen, da er auf der Etappe derjenige war, der die Lücke zu Jonas Vingegaard schließen wollte und dabei auf wenig Gegenliebe stieß.
Aldag, der Lipowitz gut kennt, äußerte sich zuversichtlich, dass sich Lipowitz von solchen „Spielchen“ nicht einschüchtern lassen wird, da er möglicherweise gar nicht verstehe, was Evenepoel von ihm wolle. Die entstandene Situation wird nun dazu führen, dass jede Aktion und jedes Zitat der beiden Fahrer genau unter die Lupe genommen wird, was die Beziehung zwischen den beiden Stars von Red Bull-Bora-hansgrohe in den Fokus rückt.
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Source: sport1.de