Es ist dringend an der Zeit, das unwürdige Jammern zu beenden
Die laufende Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada wird von einer Sperre für den englischen Verteidiger Jarell Quansah überschattet. Nach einer Roten Karte im Achtelfinale gegen Mexiko wurde Quansah vom Weltverband FIFA für zwei Spiele gesperrt. Diese Entscheidung bedeutet, dass der Spieler von Trainer Thomas Tuchel erst in einem möglichen Finale wieder für die englische Nationalmannschaft auflaufen könnte.
Die Rote Karte erhielt Quansah nach einem groben Foulspiel, das erst nach Eingriff des Videoschiedsrichters geahndet wurde. Die englische Mannschaft trifft im Viertelfinale auf Norwegen. Zusätzlich zu Quansahs Ausfall muss Tuchel auch um Verteidiger Marc Guéhi bangen, der Berichten zufolge mit einer Oberschenkelzerrung zu kämpfen hat. Guéhi hat in diesem Turnier bisher vier Spiele über die volle Distanz bestritten.
Kontroverse um Baloguns Spielberechtigung
Die Entscheidung der FIFA im Fall Quansah steht im Kontrast zur Behandlung des US-amerikanischen Stürmers Folarin Balogun. Obwohl Balogun ebenfalls eine Rote Karte im Achtelfinale gegen Belgien erhalten hatte, durfte er spielen. Diese Entscheidung sorgte weltweit für Empörung und wurde von der deutschen Schiedsrichter-Legende Markus Merk scharf kritisiert.
Merk bezeichnete die Aufhebung der Sperre für Balogun als „Wettbewerbsverzerrung“ und als „Gipfel“ der Vorgänge, die die Integrität des Fußballs angreifen. Er wies darauf hin, dass eine Rote Karte in der Regel eine Spielsperre nach sich zieht und die FIFA in der Vergangenheit Nationalverbänden mit dem Ausschluss aus Wettbewerben gedroht habe, sollten sie dieser Regel nicht Folge leisten. Merk erinnerte an einen Vorfall vor der WM 2006, bei dem die FIFA dem DFB und anderen Verbänden mit einem Ausschluss drohte, falls eine klare Fehlentscheidung des Schiedsrichters revidiert würde.
Die Begnadigung Baloguns, die nach einem unglücklichen Einsteigen gegen Bosniens Tarik Muharemovic erfolgte, wurde von Merk als „sprachlos machend“ und als Angriff auf die Grundlage des Regelwerks beschrieben. Die gängige Mutmaßung ist, dass der Druck auf die zuständige Disziplinarkommission nach einem Anruf von US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Präsident Gianni Infantino erhöht wurde, was zur Aussetzung des Mindeststrafmaßes führte.
Die belgische Mannschaft nutzte die Kontroverse um Balogun als zusätzliche Motivation. Im Spiel gegen die USA zeigten die „Roten Teufel“ ihre bisher beste Leistung bei dieser WM-Endrunde und besiegten die US-Amerikaner mit 4:1. Romelu Lukaku feierte seinen Treffer zum 4:1 mit einem sogenannten „Trump-Tanz“, um eine klare Botschaft an den sich einmischenden US-Präsidenten zu senden.
Der offizielle X-Account der belgischen Nationalmannschaft kommentierte ein Bild des jubelnden Lukaku mit dem Satz „Overturn this“, was eine Anspielung auf die aufgehobene Balogun-Sperre war. Auch belgische Medien wie Het Laatste Nieuws und Voetbalkrant berichteten über die spöttische Feier der belgischen Spieler.

Mbappé gibt Entwarnung nach Auswechslung
Unterdessen gab der französische Superstar Kylian Mbappé nach seiner vorzeitigen Auswechslung im WM-Viertelfinale gegen Marokko Entwarnung. Der 26-Jährige wurde in der 77. Minute ausgewechselt und hatte anschließend einen Eisbeutel am Fuß. Mbappé erklärte, er habe einen Schlag auf die Ferse bekommen, es gehe ihm aber gut.
Sein Trainer Didier Deschamps ergänzte, dass Mbappé auch wegen Krämpfen das Feld verlassen musste. Deschamps führte dies auf die hohe Anzahl an Spielen zurück, die Mbappé bestreitet. Die französische Mannschaft gewann das Viertelfinale gegen Marokko mit 2:0.

Die Causa Balogun könnte für FIFA-Präsident Infantino auf dem Weg zu seiner Wiederwahl im Jahr 2027 noch unangenehme Folgen haben. Obwohl Infantino jegliche Beteiligung an dem Vorgang verneinte und auf die „unabhängige“ Entscheidung der Disziplinarkommission verwies, deutete DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der im FIFA-Rat sitzt, einen möglichen Widerstand an. Neuendorf erklärte, dass er sich mit der UEFA einig sei, dass dieser Vorgang nicht zu den Akten gelegt werden dürfe und zunächst unter den europäischen Fußballverbänden weiter besprochen werden müsse.
Ein Sturz des FIFA-Präsidenten oder eine Anzeige bei der FIFA-Ethikkommission und eine Suspendierung erscheinen jedoch angesichts Infantinos Beliebtheit bei vielen kleineren Verbänden unwahrscheinlich. Die Fußball-Weltmeisterschaft läuft noch bis zum 19. Juli.
Read Also
Source: t-online.de