Trainer zu "selbstverliebt"?: DFB-Quellen: Nagelsmann "hat keine Chance mehr"
DFB-Quellen äußern sich zur Zukunft des Bundestrainers
Nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft gegen Paraguay (3:4 i.E.) verdichten sich die Anzeichen für ein baldiges Ende der Amtszeit von Julian Nagelsmann als Bundestrainer. Obwohl ein offizielles Urteil des DFB-Gerichts unter dem Vorsitzenden Bernd Neuendorf noch aussteht, wird die Stimmung innerhalb des Verbandes zunehmend kritisch. Eine ungenannte Quelle aus dem DFB zitierte die „Süddeutsche Zeitung“ mit der Aussage, Nagelsmann „hat keine Chance mehr“.
Diese Einschätzung wird durch Informationen des Sportinformationsdienstes gestützt. Ein Funktionär bestätigte, dass „die Stimmung und der Druck schon da“ seien, um die Ära Nagelsmann zu beenden. Als Vorbild für einen stilvollen Abgang wird das „niederländische Beispiel“ von Ronald Koeman genannt, der ebenfalls nach dem Ausscheiden in der ersten K.-o.-Runde zurücktrat. Gleichzeitig wird Nagelsmanns öffentliche Darstellung in den vergangenen Monaten scharf kritisiert, wobei das Wort „selbstverliebt“ fällt.
Die „SZ“ deutet an, dass Jürgen Klopp als Nachfolger in Betracht gezogen wird. Allerdings gibt es innerhalb des Verbandes auch Zweifel an dieser Wunschlösung vieler Fans. Es wird berichtet, dass Klopps Reputation zuletzt gelitten habe und er voraussichtlich teurer als Nagelsmann wäre. Der aktuelle Bundestrainer hatte nach dem WM-Desaster versichert, dem DFB Argumente für seine Weiterbeschäftigung liefern zu wollen, da der Verband wisse, was er an ihm habe. Er betonte, dass jeder wisse, wie er als Trainer agiere. Aus den Landesverbänden wird der Wunsch nach einem klaren Fahrplan für die Bundestrainer-Frage geäußert, der zumindest intern kommuniziert werden sollte.
Wachsende Kritik an Nagelsmanns Taktik und Kommunikation
Die Kritik an Julian Nagelsmann hat sich nach dem frühen WM-Aus verschärft. Auch der ehemalige Bundesliga-Trainer Ewald Lienen (72) äußerte sich im Podcast „Der Sechzehner“ deutlich und kritisierte Nagelsmanns taktische Ausrichtung gegen Paraguay scharf. Lienen bezeichnete die Leistung als „abenteuerlich schlecht gecoacht“ und bemängelte insbesondere die fehlende Stabilität im Spiel der DFB-Elf.
Lienen ging sogar so weit, von „Sabotage“ zu sprechen, wenn eine Mannschaft so aufgestellt werde, dass sie am Ende „ohne defensive Qualität, ohne Außenstürmer, irgendwie da rumhänge“. Er sieht die Probleme nicht nur im Spiel gegen Paraguay, sondern grundsätzlich in Nagelsmanns Herangehensweise. Nach Lienens Ansicht sei der Bundestrainer trotz seines Talents noch nicht reif genug für eine solch verantwortungsvolle Aufgabe. Er betonte, dass erfolgreiche Trainerarbeit vor allem von Persönlichkeit und Überzeugungskraft lebe, und dass die Mannschaft bedingungslos hinter dem Trainer stehen müsse.
Die Liste der Vorwürfe gegen Nagelsmann ist lang und vielschichtig. Es wird kritisiert, dass es keine klare fußballerische DNA gab und die Kaderzusammenstellung lückenhaft war. Auch die Auswahl des WM-Camps in Winston-Salem sowie seine interne Kommunikation, die als schwach und trotzig im Umgang mit der Presse beschrieben wird, sorgten für Verwunderung bei vielen Spielern. Experten berichten, dass Nagelsmann es nicht geschafft habe, die Mannschaft fußballerisch weiterzuentwickeln.
Ein weiterer Kritikpunkt war die Entscheidung, Joshua Kimmich nach dem Karriereende von Toni Kroos weiterhin als Rechtsverteidiger aufzustellen. Dies wurde als falsche Entscheidung angesehen, da Kimmich bei Ballbesitz oft ins Zentrum zog und sich am Dreieraufbau beteiligte, anstatt vorne für Druck zu sorgen. Dies führte dazu, dass Leroy Sané auf der rechten Außenbahn oft isoliert war und leichter zu verteidigen war. Dieser Plan mit Kimmich war nur einer von mehreren taktischen Fehlern, die das deutsche Spiel berechenbarer machten.
Auch die Kaderzusammenstellung ohne einen gelernten Rechtsverteidiger, um den gescheiterten Kimmich-Plan zu korrigieren, wird Nagelsmann angelastet. Zudem gab es Kritik an unklaren Rollen und falschen Versprechungen. Im dritten Gruppenspiel wurden beispielsweise Spieler wie Malick Thiaw, Pascal Groß und Maximilian Beier eingewechselt, obwohl andere Spieler wie Waldemar Anton, Leon Goretzka und Nick Woltemade in der Hierarchie höher anzusiedeln waren. Nagelsmanns Umgang mit Goretzka, dem eine wichtige Rolle bei der WM in Aussicht gestellt wurde, um ihn dann im Turnier fallen zu lassen, wird ebenfalls bemängelt.
Die Kommunikation des Bundestrainers wird als mangelhaft beschrieben. Nationalspieler klagten hinter vorgehaltener Hand über die Art der Kommunikation, die oft nur über kurze Sprachmemos via WhatsApp erfolgte und selten lange Einzelgespräche beinhaltete. Auch Besuche in Stadien, um potenzielle Nationalspieler live zu beobachten, unterließ der Chefcoach. Die Rückholaktion von Manuel Neuer wurde ebenfalls schlecht kommuniziert; Oliver Baumann erfuhr beispielsweise erst durch die Medien von seiner Degradierung.
Mats Hummels, Weltmeister von 2014, äußerte, dass Nagelsmann ihn rund um die Heim-EM nicht fair und ehrlich behandelt habe. Ähnliche Gefühle könnten Niclas Füllkrug und Tim Kleindienst gehabt haben, denen Nagelsmann Wochen vor der WM mitgeteilt hatte, dass einer von ihnen als Stoßstürmer mit nach Nordamerika reisen würde. Auch während des Turniers soll Nagelsmann nicht viele Einzelgespräche geführt haben, und die Mannschaft soll teils erst spät über den Matchplan informiert worden sein. Seine Art wird als schmallippig und beratungsresistent beschrieben.
Das DFB-Team bezog am 8. Juni das WM-Quartier im Hotel „The Graylyn Estate“ in Winston-Salem. Viele Spieler sollen sich dort jedoch gelangweilt haben und vermissten das vorübergehende Teamhotel während der Mini-Vorbereitung in Chicago Downtown. Kapitän Kimmich fragte Journalisten nach Tipps für freie Tage, und Woltemade verriet, dass er und einige Teamkollegen sogar Verstecken gespielt hätten, da ihnen nichts Besseres einfiel.
Auch das Vertrauen in Nagelsmanns Staff soll gering gewesen sein. Der Trainerstab, der um frühere Wegbegleiter von Nagelsmann bei der TSG Hoffenheim erweitert wurde, soll eine „Wohlfühlblase“ für den Bundestrainer geschaffen haben, in der ihm niemand widersprach. Im Gegensatz dazu wurde Sandro Wagner, der den DFB im Jahr 2025 verlassen hatte, um seine eigene Trainerkarriere zu verfolgen, in der Mannschaft geschätzt und galt als nahbare Respektsperson. Es wird berichtet, dass Wagner taktische Inhalte oft einfacher erklärte als Nagelsmann.
Die anhaltende Debatte und die wachsende Kritik lassen die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer ungewiss erscheinen.
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Source: n-tv.de