"Peinlichkeit" - Experten rechnen mit dem DFB-Team ab
Enttäuschung nach dem WM-Aus
Das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft 2026 gegen Paraguay hat bei ehemaligen Nationalspielern und Experten für erhebliche Kritik gesorgt. Die Niederlage im Elfmeterschießen nach einem 1:1 in der Verlängerung markierte das dritte vorzeitige WM-Aus in Folge für das DFB-Team. Dieser Umstand führte zu einer Welle der Enttäuschung und Forderungen nach Konsequenzen.
Bastian Schweinsteiger, ein Experte der Sportschau, bemängelte das „fehlende fußballerische Element, mangelnde Kreativität und unsauberes Passspiel“ der Mannschaft. Diese Einschätzung unterstreicht die Wahrnehmung vieler Beobachter, dass es dem Team an grundlegenden fußballerischen Qualitäten fehlte, um in einem wichtigen Turnier zu bestehen.
Kritik von ehemaligen Bundestrainern und Experten
Auch der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann äußerte sich deutlich zum Ausscheiden. Er bezeichnete den Tag als „sehr traurigen Tag für uns alle in Deutschland“ und betonte, dass das Ergebnis unerwartet kam. Klinsmann, der seine Kommentare beim US-Sender ESPN abgab, nannte die Art und Weise des Ausscheidens „niederschmetternd, eine Peinlichkeit“ und zog Parallelen zu den enttäuschenden Auftritten in Katar vor vier und Russland vor acht Jahren. Er forderte „Konsequenzen, was auch immer diese Konsequenzen sein mögen“, was auf eine Notwendigkeit struktureller Veränderungen hindeutet.

Dietmar Hamann, ein weiterer ehemaliger Profi, schloss sich der Kritik an. Als Experte des irischen Senders RTÉ Sport fand er harsche Worte für die Leistungen des Teams. Er stellte fest, dass die Auftritte im Durchschnitt enttäuschend waren, sowohl bei der Europameisterschaft als auch in der Qualifikation und bei der Weltmeisterschaft. Hamann richtete seine Kritik direkt an DFB-Coach Julian Nagelsmann, indem er sagte: „Offensichtlich ist es der Trainer. Es ist der Job eines Trainers, die Jungs zusammenzubekommen. Das ist ein Typ, der selten Spiele schaut.“
Die internationale Presse reagierte ebenfalls mit scharfen Worten. Die spanische Zeitung „Marca“ schrieb beispielsweise: „Von Deutschland ist nichts mehr übrig. Nicht einmal mehr im Elfmeterschießen.“ Dies verdeutlicht das Ausmaß der Enttäuschung und die kritische Wahrnehmung der deutschen Mannschaft über die Landesgrenzen hinaus.
Reaktionen der Fans und politische Äußerungen
Die Fans des DFB-Teams in Boston zeigten sich nach dem Ausscheiden ebenfalls enttäuscht und kritisierten vor allem Bundestrainer Julian Nagelsmann. Die Mannschaft kehrte nach dem Spiel in Boston ein letztes Mal in ihr WM-Quartier in Winston-Salem zurück. Julian Nagelsmann, der als einer der ersten das Flugzeug verließ, hatte einen Rücktritt trotz des frühen Ausscheidens ausgeschlossen und betonte, dass er seinen Vertrag erfüllen wolle. Auch DFB-Sportdirektor Rudi Völler sprach ihm weiterhin sein Vertrauen aus und bezeichnete ihn als „absoluten Toptrainer“.
Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich nach dem WM-Aus ebenfalls. In einem Post auf Social Media sprach er der Mannschaft Trost zu: „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel! Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“ Dieser Tweet sorgte jedoch für Diskussionen, da er von einigen als unpassend nach der enttäuschenden Leistung empfunden wurde. Merz veröffentlichte daraufhin einen weiteren Post, in dem er betonte, dass Erfolge gemeinsam gefeiert und in der Niederlage zusammengehalten werde, um Zusammenhalt und Trost auszudrücken.
Für Paraguay war der Sieg im Sechzehntelfinale ein historischer Erfolg. Staatspräsident Santiago Peña rief den Tag nach dem sensationellen 4:3 im Elfmeterschießen zum nationalen Feiertag aus. Für Paraguay war es erst der zweite K.o.-Sieg bei einer WM, nachdem sie zuletzt 2010 in Südafrika das Viertelfinale erreicht hatten. Der 22-jährige Julio Enciso, der ein Tor erzielte, widmete seinen Erfolg seinem verstorbenen Großvater und sprach von dem „schönsten Tag seines Lebens“.
Kontroverse Schiedsrichterentscheidung und Neuers Abschied
Eine kontroverse Schiedsrichterentscheidung prägte ebenfalls das Spiel. Ein Tor von Jonathan Tah in der Verlängerung, das die vermeintliche 2:1-Führung bedeutet hätte, wurde nach Intervention der Video-Assistentin Tatiana Guzman und Überprüfung durch Schiedsrichter Jalal Jayed zurückgenommen. Der Sportschau-Schiedsrichterexperte Lutz Wagner sah darin eine Fehlentscheidung, da er der Meinung war, dass sich beide Spieler zum Ball orientierten und der paraguayische Torwart Orlando Gill eher eine Bewegung zu Waldemar Anton machte.
Für Nationalkeeper Manuel Neuer markierte das Spiel das endgültige Ende seiner Karriere im DFB-Trikot. Auf die Frage, ob dies sein letztes Länderspiel gewesen sei, antwortete der 40-Jährige mit einem knappen „Ja“. Bereits im August 2024 hatte er seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt, wurde aber vor der WM 2026 von Bundestrainer Julian Nagelsmann als Nummer eins zurückgeholt. Die Entscheidung, Neuer erneut zu nominieren, hatte im Vorfeld für Diskussionen gesorgt.
Das Ausscheiden im Sechzehntelfinale gegen Paraguay war die erste Niederlage Deutschlands in einem Elfmeterschießen bei einer Weltmeisterschaft, nachdem das letzte Elfmeterschießen am 30. Juni 2006 stattfand.
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Source: sportschau.de