Fecht-WM in Hong Kong: Mit Kampfgeist zu Gold: Larissa Eifler über ihren Weg zum WM-Titel - sportschau.de
Historischer Erfolg in Hongkong
Larissa Eifler hat sich in Hongkong zur Weltmeisterin im Säbelfechten gekrönt. Die Kölnerin setzte sich im Finale gegen Sara Balzer aus Frankreich durch. Dieser Erfolg markiert die erste Einzel-Goldmedaille für den Deutschen Fechter-Bund (DFeB) seit dem Triumph von Peter Joppich im Jahr 2010. Für die deutschen Fechterinnen ist es das erste WM-Gold seit Britta Heidemanns Sieg im Jahr 2007.
Direkt nach dem Wettkampf äußerte sich Eifler überwältigt und glücklich. Sie konnte ihren Erfolg zunächst kaum fassen. Die 27-Jährige, die im Ranking auf Platz 33 geführt wurde, besiegte auf ihrem Weg zum Titel unter anderem die Olympiasiegerin Manon Apithy, die Olympiazweite Choi Sebin und die zweimalige Weltmeisterin Sugar Katinka Battai.

Mentale Stärke als Schlüssel zum Erfolg
Eifler betonte, dass mentale Faktoren eine entscheidende Rolle für ihren Erfolg spielten. Nach einer Enttäuschung bei den Europameisterschaften, bei der sie in der ersten K.-o.-Runde ausschied, konzentrierte sie sich gezielt auf mentale Werkzeuge wie Meditation und Visualisierung. Diese Maßnahmen halfen ihr, entspannter zu sein, positiver zu denken und mehr an sich selbst zu glauben. Sie ist überzeugt, dass diese Faktoren maßgeblich zum WM-Sieg beigetragen haben.
Die Leistung im Fechten hängt stark von der Tagesform ab, die von vielen mentalen und körperlichen Komponenten beeinflusst wird. Obwohl sie keine Favoritin war, glaubte Eifler stets an ihr Potenzial und daran, zu den Besten der Welt zu gehören. Sie empfand es als Belohnung für jahrelange harte Arbeit, ihr Potenzial nun bei der Weltmeisterschaft abrufen zu können.
Die Psychologiestudentin arbeitet zur Unterstützung ihrer mentalen Verfassung mit einem Psychologen zusammen. Ziel ist es, den Sport ohne den Druck ausüben zu können, es unbedingt allen zeigen zu wollen. Diesen Druck konnte sie im entscheidenden Wettkampf ablegen.
Comeback nach Olympia-Verpassen
Nachdem Eifler die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Paris verpasst hatte, legte sie eine halbjährige Pause ein. Diese Entscheidung war auch auf mentale Probleme zurückzuführen, da das Fechten lange Zeit der Mittelpunkt ihres Lebens gewesen war und das Verpassen der Qualifikation eine große Enttäuschung darstellte. Eine Blinddarm-Operation hatte sie zudem zum ungünstigsten Zeitpunkt außer Gefecht gesetzt, und im entscheidenden Qualifikationswettkampf erreichte sie den dritten Platz, was nicht für ein Olympia-Ticket reichte.
Die Pause nutzte sie, um sich neu zu orientieren und die Freude am Fechten wiederzufinden. Sie sieht ihren Weg als individuell und nicht geradlinig an und ist überzeugt, dass die Auszeit die richtige Entscheidung war. Durch die Pause konnte sie neue Motivation schöpfen und sich eindrucksvoll zurückmelden.
Die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft erfolgte in einem Trainingslager in Peking, das durch die Finanzierung des Verbandes ermöglicht wurde. Dies ermöglichte dem Team, sich an die Zeitverschiebung zu gewöhnen und mit guten Trainingspartnern zu arbeiten. Die Bedingungen vor Ort in Asien wurden als sehr gut organisiert und die Stimmung in der Halle als „mega“ beschrieben.
Herausforderungen im deutschen Fechtsport
Eifler thematisierte auch die strukturellen Bedingungen im deutschen Fechtsport, die sie als ausbaufähig bezeichnete. Fechten sei eine Randsportart mit geringer Sichtbarkeit und unzureichenden finanziellen Mitteln vom Bund. Dies erschwert die Nachwuchsförderung und die Motivation weiterer Menschen für den Sport. Der Verband bemüht sich jedoch, die Strukturen im Nachwuchs und bei den Athleten schrittweise zu verbessern. Eifler dankte ihren Trainern am Bundesstützpunkt für ihre tägliche Unterstützung.
Trotz ihres Weltmeistertitels hat Eifler keinen privaten Sponsor. Sie ist Sportsoldatin bei der Bundeswehr, was ihr die Deckung ihrer finanziellen Kosten ermöglicht. Ohne dieses System könnte sie ihren Sport nicht auf diesem Niveau ausüben. Für die Zeit nach ihrer Sportkarriere ist sie jedoch nicht abgesichert und studiert daher parallel Psychologie in Köln, um sich ein zweites Standbein aufzubauen.
Eifler hofft, dass ihr Sieg dazu beitragen kann, den Fechtsport in Deutschland voranzutreiben, den Nachwuchs zu motivieren und die Sichtbarkeit der Sportart zu erhöhen. Sie möchte ihre aktuelle Aufmerksamkeit nutzen, um ein Vorbild für junge Fechterinnen zu sein. Sie äußerte die Hoffnung, dass das neue Sportfördergesetz dazu beitragen wird, dass Randsportarten wie Damensäbel in Zukunft ausreichend finanziell und sozial unterstützt werden. Die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles könnten die ersten für Eifler sein, nachdem die deutschen Fechterinnen und Fechter bei den letzten drei Spielen keine Medaillen gewinnen konnten.
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