DFB-News - Ex-Richter: Fall Balogun "grenzt an Wettbewerbsmanipulation"
Die Aufhebung der Rotsperre für den US-Stürmer Folarin Balogun hat eine Debatte ausgelöst. Hans E. Lorenz, ein ehemaliger Vorsitzender des DFB-Sportgerichts, äußerte scharfe Kritik an der Entscheidung und bezeichnete sie als grenzwertige Wettbewerbsmanipulation. Er betonte, dass die FIFA traditionell eine Sperre von mindestens einem Spiel für eine Rote Karte vorsieht, was zur Stabilisierung der Position beitrage.
Lorenz erklärte in einem Gespräch, dass die Möglichkeit, Teile einer Strafe zur Bewährung auszusetzen, zwar grundsätzlich bestehe. Jedoch sei eine Sperre von nur einem Spiel für das schwere Foul, auch wenn es unbeabsichtigt war, bereits außergewöhnlich milde gewesen. Die zusätzliche Aussetzung dieser Sperre sei ein „fatales Signal“, da sich nun zahlreiche Verbände und Vereine darauf berufen und die Aussetzung von Sperren einfordern könnten.
Reaktionen auf die Balogun-Entscheidung
DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat ebenfalls auf den Fall Balogun reagiert. Er forderte die FIFA auf, sich rasch zu den Berichten zu äußern, wonach der Entscheidung zur Aussetzung der Roten Karte gegen Balogun ein Telefonat zwischen dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino vorausgegangen sein soll. Neuendorf betonte, dass der Eindruck einer aktiven politischen Einflussnahme auf den Sport zügig und schlüssig ausgeräumt werden müsse, da es um die Integrität des Wettbewerbs und die Glaubwürdigkeit der FIFA gehe.
Die FIFA hatte zuvor die Rotsperre des 25-jährigen US-Torjägers Balogun aufgehoben. Balogun hatte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina eine Rote Karte erhalten, nachdem er unabsichtlich auf dem Knöchel seines Gegners Tarik Muharemovic gelandet war. Medienberichte vom Sonntag, darunter „The Athletic“ und die Nachrichtenagentur AP, deuteten darauf hin, dass Trump Infantino angerufen habe, um sich für eine Aussetzung der Sperre für das WM-Achtelfinale gegen Belgien in Seattle einzusetzen.

Die UEFA äußerte sich ebenfalls kritisch zur Entscheidung der FIFA und bezeichnete sie als „unbegreiflich“ im Zusammenhang mit dem Rote-Karte-Skandal. Die Diskussionen um die Entscheidung begannen unmittelbar nach dem Spiel der USA gegen Bosnien, als die FIFA die Sperre des Stürmers für das kommende Spiel aufhob.
Weitere Entwicklungen im deutschen Fußball
Unabhängig von der Balogun-Affäre gibt es auch Neuigkeiten rund um das DFB-Team. Christian Heidel, der Jürgen Klopp im Jahr 2001 zum Trainer des damaligen Zweitligisten Mainz 05 ernannte, sieht in Klopp einen „perfekten Bundestrainer“. Heidel glaubt, dass ein Bundestrainer nicht mit einem Vereinstrainer zu vergleichen ist und hob Klopps Empathie, Ausstrahlung und Emotionalität als große Stärken hervor, die dem „überragenden Trainer“ Julian Nagelsmann seiner Analyse nach fehlten.
Sollten sich der DFB und Jürgen Klopp einigen, würde dies eine lang erwartete Zusammenarbeit bedeuten. Klopp war in den letzten Jahren immer wieder ein Thema, wenn es um die Besetzung des Bundestrainerpostens ging. Bereits 2006 wurde er als potenzieller Nachfolger von Jürgen Klinsmann gehandelt, als er noch Trainer bei Mainz 05 war und als TV-Experte begeisterte.
Konkreter wurde es 2018 nach dem Ausscheiden in der Gruppenphase der WM in Russland, als Joachim Löw zur Disposition stand. Klopp lehnte damals ab, da er beim FC Liverpool tätig war, signalisierte jedoch, dass er bei Verfügbarkeit und einer Anfrage des DFB darüber nachdenken würde. Im März 2021 und Juli 2023 lehnte er erneut ab, obwohl Löw seinen Rücktritt nach der EURO 2020 angekündigt hatte und es unter Hansi Flick schlecht lief. Diesmal scheint eine Einigung bevorzustehen.
Ex-Nationalspieler Maurizio Gaudino äußerte sich traurig über den Zustand des deutschen Fußballs. Nach dem Ausscheiden des DFB-Teams im Sechzehntelfinale und den Ergebnissen der vorigen Turniere findet Gaudino es „einfach traurig, dass der deutsche Fußball da ist, wo er gerade ist“. Er stellte fest, dass Deutschland zwar gute Spieler habe, diese aber nicht mehr auf dem international benötigten Niveau agierten.
Jürgen Klopp wird seine Rolle als WM-Experte für „MagentaTV“ bis zum Ende des Turniers fortsetzen. Dies wurde von Arnim Butzen, TV-Chef der Telekom, bestätigt. Klopp wird beim Finale am 19. Juli in New York/New Jersey zusammen mit dem kompletten Expertenteam, darunter Thomas Müller und Mats Hummels, im Einsatz sein.
Im Zuge des DFB-Umbruchs steht auch die Rolle von Sportdirektor Rudi Völler zur Debatte. Die DFB-Delegation, die sich in den USA zu Gesprächen mit Klopp treffen möchte, wird voraussichtlich ohne Völler reisen. Ob Völler auch in der künftigen Sportlichen Leitung der Nationalmannschaft eine tragende Rolle spielen wird, hängt von der Neubesetzung des Bundestrainerpostens ab. Ein zeitnaher Austausch zwischen Völler und Klopp ist offenbar geplant, da Völlers DFB-Vertrag noch bis zur EM 2028 läuft.
Die Verhandlungen zwischen Jürgen Klopp und dem DFB werden konkreter. DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Ligapräsident Hans-Joachim Watzke sollen in der kommenden Woche in die USA reisen, um direkt mit Klopp über die Nachfolge von Julian Nagelsmann zu sprechen. Watzke ist durch die langjährige Zusammenarbeit bei Borussia Dortmund eng mit Klopp verbunden. Klopp befindet sich derzeit für seine Tätigkeit als Experte für „MagentaTV“ bei der Fußball-WM in Amerika und hat sein WM-Quartier in New York.
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Source: sportschau.de