Politiker spotten bei Lanz über Merz: „Völlig lebensfremd“ - BILD
Der umstrittene Kommentar von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nach dem Ausscheiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft hat zu Diskussionen geführt. Der Post, der kurz nach der Niederlage gegen Paraguay auf dem offiziellen Kanzler-Account auf X veröffentlicht wurde, wird von Regierungskreisen als Ergebnis eines „Abstimmungsfehlers“ bezeichnet.
Die deutsche Mannschaft unterlag Paraguay im Elfmeterschießen mit 3:4. Medien hatten das Spiel als „Trauerspiel“ und „Blamage“ kritisiert. Trotzdem erschien auf dem Kanzler-Account ein positiver Kommentar: „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel. Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“ Laut Regierungskreisen handelte es sich bei der Veröffentlichung dieser Nachricht um ein Versehen.
Reaktionen in der Politik
Die EU-Vizepräsidentin Katarina Barley (SPD) äußerte sich in einer Talkshow zu dem Vorfall. Sie vermutete, dass Spitzenpolitiker üblicherweise zwei Versionen von Nachrichten vorbereiten: eine für den Sieg und eine für die Niederlage. Sie erklärte, dass in diesem Fall möglicherweise einfach der falsche Knopf gedrückt wurde oder der Social-Media-Mitarbeiter nicht mit einem so schlechten Spiel gerechnet hatte und etwas Tröstliches posten wollte. Sie sagte: „Mein erster Gedanke war, dass Spitzenpolitiker normalerweise zwei verschiedene Versionen vorerstellen lassen, und dann heißt es: Wenn gewonnen, das (eine) raus, wenn verloren, das (andere) raus. Ich kann mir das nur so erklären, dass da einfach ein Knopf gedrückt wurde.“
Barley hielt es jedoch auch für wahrscheinlich, dass es sich um die beabsichtigte Version handelte, aber der Social-Media-Mitarbeiter das Ausmaß der Niederlage nicht vorhergesehen hatte. Sie spekulierte, dass der Mitarbeiter dachte: „Irgendwas Positives, irgendwas Tröstendes muss rein.“
Der Europapolitiker Fabio De Masi (BSW) kritisierte den Post als „völlig lebensfremd“. Er räumte ein, dass ein Bundeskanzler nicht nachtreten und die Mannschaft kritisieren sollte. Dennoch führte er aus, dass solche Kommentare bei den Bürgern den Eindruck erwecken könnten, der Kanzler habe „jeden Sinn für Realität verloren“, insbesondere in Bezug auf die aktuelle Lage des Landes. Er fügte hinzu: „Das wirkt halt völlig lebensfremd, und bei den Leuten geht natürlich sofort eine Assoziation im Kopf los: So wie unser Land gerade absteigt, hat der Mann jeden Sinn für Realität verloren.“
Merz‘ Reaktion auf die Kritik
Nach dem Spiel ließen spöttische Kommentare nicht lange auf sich warten. Die Formulierung „Welches Spiel“ wurde auf X schnell zu einem Trendthema. Auch politische Konkurrenten äußerten sich kritisch. Die FDP-Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann kommentierte: „Ich weiß gar nicht, was schlimmer war. Das Spiel oder diese Analyse.“
Merz reagierte auf die Kritik ebenfalls auf X. Er schrieb: „Erfolge feiern wir gemeinsam. Und in der Niederlage stehen wir zusammen. Das macht uns stark. Wer den Adler auf der Brust trägt, hat unseren Rückhalt verdient und nicht unseren Spott.“
Die Diskussionen um den Post des Kanzlers verdeutlichen die Sensibilität von politischen Äußerungen im Kontext von Sportereignissen, insbesondere nach einer Niederlage der Nationalmannschaft.
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Source: bild.de