Besorgnis und Kritik dominieren die Reaktionen auf die jüngste Eskalation im Nahen Osten. Israel und die USA haben den Iran angegriffen, der nun seinerseits zurückschlägt. Bereits am Samstag äußerten sich zahlreiche führende Politiker, darunter die Präsidentin der EU-Kommission Ursula von der Leyen sowie die Regierungschefs von Deutschland, Frankreich und Großbritannien, Friedrich Merz, Emmanuel Macron und Keir Starmer. "Der Iran muss seine willkürlichen Militärangriffe einstellen", erklärten sie.
London warnt vor „willkürlichen“ Angriffen aus dem Iran
Am Sonntag äußerte sich der britische Verteidigungsminister John Healey und warnte vor der Bedrohung durch "immer häufiger ungezielte iranische Vergeltungsangriffe". Zwei Raketen seien in Richtung Zypern abgefeuert worden. "Wir sind der Meinung, dass sie nicht speziell auf Zypern abzielten", erklärte Healey gegenüber dem Sender Sky News. Dies sei jedoch ein Beispiel für die "sehr reale Gefahr", die von einem Regime ausgehe, das in der gesamten Region aktiv sei.
Auch aus einem der angegriffenen Golfstaaten kam eine Warnung: "Ihr Konflikt richtet sich nicht gegen Ihre Nachbarn", schrieb ein Berater des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate in den sozialen Medien an den Iran. "Kehren Sie zur Vernunft zurück, achten Sie auf Ihre Umgebung und handeln Sie mit Ihren Nachbarn mit Bedacht und Verantwortungsbewusstsein, bevor sich der Kreis der Isolation und Eskalation weiter ausdehnt."
Söder erkennt Möglichkeit für Veränderungen im Iran
Ähnlich äußerte sich der bayerische Ministerpräsident Söder: Die "willkürlichen Angriffe des Regimes" auf die Staaten in der Golfregion müssten umgehend beendet werden. Grundsätzlich befinden wir uns jedoch in historischen Zeiten im Nahen Osten – ausgelöst durch die Angriffe Israels und der USA. "Nach Jahrzehnten unter der Herrschaft eines brutalen Terrorregimes ergibt sich nun die Gelegenheit für Freiheit und die Wahrung der Menschenrechte", teilte der CSU-Chef in den sozialen Medien mit.
Der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) bezeichnete den US-Angriff auf den Iran als "völkerrechtlich äußerst bedenklich". "Dass Trump das Völkerrecht nicht besonders respektiert, hat er in den vergangenen Monaten und Jahren deutlich gemacht", äußerte Waigel beim Sonntags-Stammtisch im BR Fernsehen. Politisch sei es jedoch gerechtfertigt, wenn es darum gehe, dem Regime in Teheran die Atombombe vorzuenthalten und ihnen die Möglichkeit zu nehmen, diese zu nutzen.
Der Völkerrechtsexperte Christoph Safferling von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg betrachtet den von Israel als "Präventivschlag" bezeichneten Angriff auf den Iran als einen völkerrechtswidrigen Akt. Unter anderem sei auch das Konzept einer "humanitären Intervention als Rechtfertigung" "völkergewohnheitsrechtlich nicht so weit anerkannt, dass man behaupten könnte, es würde dieses Eingreifen hier legitimieren", äußerte Safferling in einem Interview mit Tagesschau24.
Die Verbündeten Irans üben Kritik an der Ermordung von Chamenei.
Kritik wird auch von den Verbündeten des Iran laut – jedoch in Bezug auf die Angriffe Israels und der USA sowie insbesondere auf die Tötung des Obersten Führers, Ajatollah Chamenei. Das chinesische Außenministerium erklärte, dass dieses Vorgehen die Souveränität Irans in erheblichem Maße verletze und die Ziele sowie Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen missachte. Man fordert, alle militärischen Aktionen sofort einzustellen, um eine weitere Eskalation der Spannungen zu verhindern und Frieden sowie Stabilität im Nahen Osten und weltweit zu sichern.
Ähnlich äußerten sich Russland, Nordkorea und die radikal-islamische Hamas. Der Irak erklärte eine dreitägige Staatstrauer für Chamenei. In Bagdad kam es in der Nähe der US-Botschaft zu Unruhen. In Pakistan verloren bei Protesten vor einem US-Konsulat neun Menschen ihr Leben.
Die Atomenergiebehörde beruft eine außerordentliche Sitzung ein
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat als Reaktion auf die massiven Angriffe der USA und Israels auf den Iran – die auch das Atomprogramm der Islamischen Republik betreffen – für Montag eine Sondersitzung des Gouverneursrats einberufen. Die in Wien ansässige UN-Behörde gab bekannt, dass die Sitzung auf Antrag Russlands, einem bedeutenden Verbündeten Teherans, einberufen wurde. Auch der Iran selbst hatte am Samstag in einem Schreiben an IAEA-Chef Rafael Grossi eine Sondersitzung gefordert.
In Anbetracht der militärischen Angriffe äußerte die IAEA, dass sie die Entwicklungen im Nahen Osten „genau“ beobachtet und zur Mäßigung aufruft, „um jegliche atomare Gefährdung für die Menschen in der Region zu verhindern“.
Israel setzt 100.000 Reservisten für einen Einsatz gegen den Iran in Bewegung.
Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu gab bekannt, dass die Luftangriffe auf Teheran intensiviert werden. "Unsere Streitkräfte attackieren das Zentrum Teherans mit großer Wucht, und dies wird in den nächsten Tagen weiter zunehmen", erklärte Netanjahu am Sonntag in einer Videoansprache. Die israelischen Streitkräfte setzen ihre "komplette Stärke wie nie zuvor ein, um unsere Existenz und Zukunft zu schützen".
Die israelischen Streitkräfte gaben bekannt, dass sie nahezu 100.000 Reservisten für den militärischen Einsatz gegen den Erzfeind Iran mobilisieren.
Mit Angaben von dpa, Reuters und AFP