So süß feiert Pogacar seinen 5. Sieg bei der Tour de France - BILD
Tadej Pogačar hat zum fünften Mal die Tour de France gewonnen und sich damit in den Kreis der Rekordsieger des Wettbewerbs eingereiht. Der 27-jährige Slowene teilt sich diese Bestmarke von fünf Triumphen nun mit Radsportlegenden wie den Franzosen Jacques Anquetil und Bernard Hinault, dem Belgier Eddy Merckx und dem Spanier Miguel Indurain. Seine Dominanz während der 113. Ausgabe der Tour war deutlich, da er die Rundfahrt mit einem erheblichen Vorsprung beendete.
Pogačar kam wie in den beiden Vorjahren im Gelben Trikot in Paris am Champs-Elysées an, obwohl er die letzte Etappe nicht für sich entscheiden konnte. Diese letzte Etappe wurde vom Niederländer Mathieu van der Poel gewonnen. Der deutsche Sprinter Max Kanter verpasste das Podium im Zielsprint knapp und belegte den vierten Platz. Kanter äußerte sich enttäuscht über das Ergebnis.
Die letzte Etappe, ursprünglich 133 Kilometer lang, wurde auf 88,7 Kilometer verkürzt. Diese Entscheidung des französischen Innenministeriums erfolgte, um Sicherheitskräfte, die für die Absicherung der Schlussetappe vorgesehen waren, in von Bränden betroffene Regionen Frankreichs zu verlegen.
Pogačars Dominanz und Teamstärke
Während der diesjährigen Rundfahrt sicherte sich Tadej Pogačar insgesamt fünf Etappensiege. Er erreichte Paris mit einem Vorsprung von mehr als sechs Minuten vor dem Belgier Remco Evenepoel, der für das deutsche Team Red Bull–Bora–Hansgrohe fährt. Der mexikanische Radrennfahrer Isaac del Toro, Teamkollege von Pogačar, belegte den dritten Platz in der Gesamtwertung. Der 19-jährige französische Hoffnungsträger Paul Seixas vom Decathlon-Team landete auf Platz vier, fast zwölf Minuten hinter Pogačar.
Der frühere Radprofi und TV-Experte Jens Voigt hob Pogačars Ausnahmestellung hervor. Er verglich Pogačar mit anderen Sportgrößen, die ihren Sport über Jahre dominierten, wie Michael Schumacher in der Formel 1 oder Novak Djokovic und Steffi Graf im Tennis. Voigt betonte, dass Pogačar das Glück habe, für den Radsport geboren worden zu sein und diesen für sich entdeckt zu haben. Zudem profitiere er von einem starken Team und dem hohen Budget von UAE Emirates, das unter anderem Windkanaltests, Ernährungsberater und Coaches finanziert. Laut Voigt hätte der dritte Fahrer von UAE Emirates in jedem anderen Team eine Kapitänsrolle inne. Das Team hat in den letzten drei Jahren nicht nur die meisten Rennen insgesamt gewonnen, sondern auch die meisten mit unterschiedlichen Fahrern.
In diesem Jahr war kein deutscher Fahrer unter den Top Ten der Gesamtwertung. Der Drittplatzierte des Vorjahres, Florian Lippowitz, musste das Rennen nach einem Sturz vorzeitig beenden.
Feierlichkeiten und Zukunftspläne
Nach seinem fünften Sieg feierte Tadej Pogačar in Paris mit seiner Freundin Urska Zigart, ebenfalls Radprofi. Die beiden genossen die gemeinsamen Momente, die aufgrund ihrer jeweiligen Wettkampfkalender oft rar sind. Zigart feuerte ihren Freund beim Finale in Paris an. Mitte Juni hatte sie bei der Tour de Suisse einen schweren Sturz erlitten und sich einen Kieferbruch zugezogen, trainierte aber wenige Tage später bereits wieder. Pogačar beschrieb sie als „super stark“, obwohl ihr der Arzt geraten hatte, noch nicht wieder aufs Rad zu steigen.
Zigart plant, am kommenden Wochenende bei der Frauen-Tour für ihr Team AG Insurance – Soudal an den Start zu gehen. Pogačar äußerte den Wunsch, bei einigen Etappen der Frauen-Tour dabei zu sein, um sie anzufeuern. Er plant, nach Hause zu fliegen, Termine für seine Stiftung wahrzunehmen und an einem Kriterium in seinem Heimatort teilzunehmen. Paris hat für das Paar eine besondere Bedeutung; vor zwei Jahren entschied Pogačar, nicht an den Olympischen Spielen teilzunehmen, nachdem Zigart trotz zweier slowenischer Meistertitel nicht nominiert worden war.
Obwohl er seinen Sieg genoss, zeigte sich Pogačar nicht als große Partymaus. Er betonte, dass er den Moment leben und die kleinen Momente des Lebens zu Hause genießen möchte, anstatt in Clubs zu gehen. Nach Sponsorenterminen und einem Teamessen plante er, bald schlafen zu gehen, da es bereits 21.45 Uhr war.
Nils Politt, ein wichtiger Helfer von Pogačar und ebenfalls in Paris, feierte den Sieg mit seiner Familie.
Deutsche Radsport-Hoffnungen
Max Kanter, der 28-jährige Cottbuser, gab sein Debüt bei der Tour de France und zeigte eine starke Leistung, indem er auf einer Etappe den zweiten Platz belegte. Jens Voigt sieht in Kanter noch mehr Potenzial, insbesondere wenn das Team um ihn herum besser aufgestellt wäre, da ihm ein erfahrener Anfahrer fehlt.
Voigt sprach auch über ein strukturelles Problem im deutschen Radsport, das die Entwicklung von Bergfahrern erschwert. Er erklärte, dass die Organisation von Radrennen in Deutschland oft teuer ist und zu Beschwerden von Anwohnern führt. Dies führt dazu, dass Rennen häufig an Wochenenden in Gewerbegebieten außerhalb der Städte stattfinden, wo die Strecken leer, frei und flach sind. Solche Bedingungen begünstigen große, kräftige Fahrer wie Phil Bauhaus, André Greipel oder John Degenkolb. Kleinere, schmächtigere Bergfahrer, die potenzielle Kandidaten für die Tour de France wären, landen bei solchen Rennen oft auf hinteren Plätzen und sind frustriert, was dazu führen kann, dass sie den Sport aufgeben. Diese Talente fallen dann durch das Raster, während die schnellkräftigen Fahrer erfolgreich bleiben.
Der 19-jährige Franzose Paul Seixas wird als große Hoffnung im Radsport angesehen. Voigt bemerkte, dass Superstars immer jünger werden. Seixas könnte bei seiner ersten Grand-Tour-Teilnahme direkt das Podium erreichen, trotz des Drucks und der Aufmerksamkeit in seiner Heimat, die seit 41 Jahren auf einen Tour-de-France-Sieger wartet. Seixas fährt taktisch kaum Fehler, hat ein gutes Gespür und ist stark in den Bergen, mit Verbesserungspotenzial im Zeitfahren. Sollte er in diesem Jahr nicht auf dem Podium landen, wäre es das erste Etappenrennen, das er nicht auf dem Podium beendet.

Voigt äußerte sich auch zu den Fanmassen, die den Fahrern auf der Strecke gefährlich nahekommen. Er beschrieb Radsport als einen großartigen Volkssport, der keinen Eintritt verlangt und es jedem ermöglicht, seinem Idol nahe zu sein. Gleichzeitig appellierte er an die Vernunft der Zuschauer, den Asphalt als „Büro“ der Fahrer zu respektieren und nicht zu betreten.
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Source: bild.de