Hätte es gar nicht zählen dürfen?: Riesen-Wirbel um England-Tor
Umstrittener Ausgleichstreffer
Der Einzug Englands ins Halbfinale der WM 2026 wird von einer Kontroverse um den Ausgleichstreffer zum 1:1 gegen Norwegen begleitet. Das Tor, das die Verlängerung erst ermöglichte, hätte nach Ansicht einiger Experten möglicherweise nicht zählen dürfen. Die Three Lions gewannen die Partie schließlich mit 2:1 nach Verlängerung.
Die strittige Szene ereignete sich in der zweiten Minute der Nachspielzeit der ersten Hälfte. Nach einem Abstoß von Norwegen-Keeper Ørjan Nyland flog der Ball in Richtung der englischen Hälfte und traf dabei mutmaßlich ein Kameraseil der sogenannten Spidercam. Diese Kamera ist an vier Seilen aufgehängt, die an den Ecken des Stadions befestigt sind und neue Kameraperspektiven für die TV-Übertragung ermöglichen.
Trotz der möglichen Berührung wurde das Spiel fortgesetzt. Der Ball fiel Elliot Anderson vor die Füße, der zu Anthony Gordon passte. Gordon spielte den Ball weiter zu Jude Bellingham in den Strafraum, welcher den Angriff zum 1:1 vollendete. Unmittelbar nach dem Tor protestierten die norwegischen Spieler, darunter Nyland und Erling Haaland, und zeigten in Richtung der Kabel.
Reaktionen und FIFA-Stellungnahme
Norwegens Trainer Ståle Solbakken suchte in der Halbzeit das Gespräch mit dem französischen Schiedsrichter Clément Turpin. Dieser teilte ihm mit, dass er eine Rücksprache mit dem VAR gehabt habe, das Tor aber zählte. Die Entscheidung stieß auf Unverständnis bei der übertragenden US-Crew des TV-Senders Fox. Der Schiedsrichter-Experte Mark Clattenburg erklärte, dass das Spiel unterbrochen und mit einem Schiedsrichterball fortgesetzt werden müsse, wenn der Ball ein Objekt außerhalb des Spielfelds berühre.
Auch Magenta-Experte Patrick Ittrich äußerte sich zu dem Vorfall. Er betonte, dass die entscheidende Frage sei, ob die Berührung Einfluss auf das Spielgeschehen hatte. Wenn ja, wäre ein Schiedsrichterball die korrekte Spielfortsetzung gewesen, da das Tor direkt aus der Angriffsphase resultierte. Da der Videoassistent nicht eingegriffen hat, vermutet Ittrich, dass die Bilder keine eindeutige Berührung zeigten und es sich somit um eine Tatsachenentscheidung handelte.
Die FIFA meldete sich am Samstagabend via Kurznachrichtendienst X zu Wort und erklärte, dass die Sensoren im Ball keinerlei Ausschlag bei der Szene gezeigt hätten. Dies würde bedeuten, dass keine Berührung stattgefunden hat. Ein Argument, das für diese Darstellung spricht, ist, dass keiner der norwegischen Spieler, die direkt unter dem Ball standen, in diesem Moment protestierte.
Norwegische Enttäuschung und Englands Weg ins Halbfinale
Trainer Solbakken äußerte sich auf der Pressekonferenz nach dem Spiel enttäuscht: „Das Kabel verdient einen Assist. Das ist sehr unglücklich gelaufen. Der Ball hat seine Flugrichtung verändert, ist wie ein Stein vom Himmel gefallen. Und das Ganze in einem sehr unglücklichen Moment für uns.“ Er fügte hinzu, dass die FIFA das Spiel sicher nicht wiederholen lassen werde. Sein englischer Kollege Thomas Tuchel sah die Szene anders und gab an, sie im Spiel nicht bemerkt zu haben. Er verwies auf den Sensor im Ball, der auch ein Kabel hätte spüren sollen.
Die FIFA versuchte, die Wogen zu glätten, indem sie den „Herzschlag des Balls“ veröffentlichte, was jedoch nicht vollständig gelang. Die Glaubwürdigkeit des Weltverbandes wurde in Frage gestellt, insbesondere nach jüngsten Ereignissen bei dieser WM. Solbakken betonte, dass der Ball direkt vor der Bank heruntergefallen sei und es klar sei, dass etwas passiert sei, auch wenn der Schiedsrichter keine Nachricht erhalten habe.
Die Diskussionen um die Szene werden voraussichtlich anhalten. Die norwegische Mannschaft, die zum ersten Mal in einem WM-Viertelfinale stand, schied aus dem Turnier aus. England hingegen steht nach dem 2:1-Sieg gegen Norwegen zum ersten Mal seit 2018 wieder im Halbfinale der Fußballweltmeisterschaft.
Neben der umstrittenen Szene gab es eine weitere Entscheidung des VAR, die für Norwegen ungünstig ausfiel. Nach einer Ecke traf Torbjörn Heggem per Kopf, doch der Treffer wurde aberkannt, da Haaland zuvor Anderson geschubst hatte. Tuchel bezeichnete den Ausgang des Spiels als „glücklich“ und erwähnte explizit die Situation bei der Ecke. Solbakken sprach über den Druck auf die Schiedsrichter und den VAR in der K.o.-Phase.
Jude Bellingham wurde zum Helden des Spiels, indem er in der Verlängerung nach einem Patzer von Nyland das 2:1 erzielte. Der 23-Jährige, der in 54 Länderspielen zwölf Tore erzielt hat, wurde in der 111. Minute unter großem Applaus ausgewechselt. Tuchel zeigte sich trotz des Sieges unzufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft und forderte eine Steigerung für das Halbfinale.
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Source: bild.de