Fußball-WM: War der Ball am Kabel? England-Tor sorgt für Diskussionen
Ein umstrittenes Tor der englischen Nationalmannschaft im Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Norwegen hat zu erheblichen Diskussionen geführt. Die Szene, bei der der Ball möglicherweise ein Kamerakabel berührt haben soll, ereignete sich vor dem zwischenzeitlichen Ausgleich zum 1:1 durch Jude Bellingham. Die Norweger äußerten ihren Unmut über die Situation, während der Fußball-Weltverband FIFA auf seine technische Ausstattung verwies, um die Entscheidung zu untermauern.
Die strittige Situation entstand in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. Nach einem weiten Abstoß von Norwegens Torhüter Örjan Nyland gelangte der Ball über Anthony Gordon zu Jude Bellingham, der den Treffer erzielte. Unmittelbar nach dem Tor protestierten die norwegischen Spieler, darunter Torwart Nyland und Erling Haaland, und deuteten in Richtung des Kamerakabels. Norwegens Trainer Ståle Solbakken suchte daraufhin in der Halbzeitpause das Gespräch mit dem französischen Schiedsrichter Clément Turpin.
FIFA-Technologie und Trainerstimmen
Die FIFA reagierte noch während des Spiels auf die Vorwürfe und teilte mit, dass die Daten keine Berührung des Kamerakabels durch den Ball vor Bellinghams Treffer belegen würden. Der im Ball integrierte Sensor, der auch bei der Bewertung möglicher Handspiele eingesetzt wird, habe keinen Ausschlag registriert. Dieser Sensor ist darauf ausgelegt, genau zu erfassen, wann und mit welcher Stärke der Ball berührt wird, und visualisiert dies auch für die Zuschauer am Bildschirm.
Norwegens Trainer Ståle Solbakken äußerte sich nach dem Spiel und erklärte, seine Spieler seien von der Szene verwirrt gewesen. Er betonte, dass der Schiedsrichter angegeben habe, die Situation nicht gesehen und keine Informationen erhalten zu haben. Solbakken merkte an, dass der Ball direkt vor ihrer Bank herunterfiel und die Bank sofort reagiert habe, auch wenn er selbst die Berührung nicht gesehen hatte. Er fügte hinzu, dass das Kabel einen „Assist“ verdient habe, da der Ball seine Flugrichtung geändert und „wie ein Stein vom Himmel gefallen“ sei.
Auch Englands deutscher Trainer Thomas Tuchel wurde zu der Szene befragt. Er verwies auf die im Ball verbaute Technologie und sagte, dass ein Chip im Ball selbst eine minimale Berührung registrieren würde. Die Aussage der FIFA, dass die Sensoren im Ball keinen Kontakt registriert hätten, wurde von ihm als Beleg für die Korrektheit der Entscheidung herangezogen.
Regelauslegung und Tatsachenentscheidung
Schiedsrichterexperte Patrick Ittrich erläuterte bei MagentaTV die Regelung für den Fall, dass der Ball gegen einen Gegenstand prallt, der nicht zum Spielgeschehen gehört. In solchen Fällen sei ein Schiedsrichterball vorgesehen. Dies gelte jedoch nur, wenn die Berührung einen Einfluss auf das Spielgeschehen gehabt habe. Da dies nicht festzustellen gewesen sei, lag aus Sicht des ehemaligen Bundesliga-Referees keine Fehlentscheidung vor. Er bezeichnete die Situation als Tatsachenentscheidung, die Bestand habe.
Ein weiterer Regel-Experte, Mark Clattenburg, äußerte sich ebenfalls zu der Situation. Er war sich sicher, dass der Schiedsrichter das Spiel unterbrechen und mit einem Schiedsrichterball fortsetzen müsse, wenn der Ball ein Objekt außerhalb des Spielfelds berühre. Trotz dieser unterschiedlichen Interpretationen blieb das Tor bestehen, da der Video-Assistent-Referee (VAR) offenbar keinen eindeutigen Beweis für eine spielentscheidende Berührung gefunden hatte.
Trotz der anhaltenden Diskussionen zählte das Tor von Jude Bellingham. Er erzielte in der Verlängerung auch den Siegtreffer für England in der 93. Minute, während Andreas Schjelderup in der 36. Minute für Norwegen getroffen hatte.

Die FIFA hatte am 11. Juli 2026 über ihren Medienkanal auf X mitgeteilt, dass der Sensor im „Connected Ball“ vor dem Tor in der 45.+2 Minute keinen Ausschlag im „Herzschlag des Balls“ zeigte, was auf keine Berührung des Kabels und keine Veränderung der Ballbewegung hindeute.
Read Also
Source: spiegel.de