Frankreichs Nationaltrainer Deschamps vor dem WM-Halbfinale: Spanien ist Favorit - SZ.de
Vor dem Halbfinale: Spanien gegen Frankreich
In Dallas bereiten sich die Nationalmannschaften von Frankreich und Spanien auf ihr Halbfinalspiel vor. Didier Deschamps, der Trainer der französischen Mannschaft, hat Spanien als Favoriten für die Begegnung am Dienstagabend bezeichnet. Diese Einschätzung erfolgte trotz der jüngsten Ergebnisse und der Stärke des französischen Kaders.
Die Spanier haben in den letzten beiden Aufeinandertreffen gegen Frankreich gewonnen. Sie besiegten Frankreich im Halbfinale der Europameisterschaft 2024 in München mit 2:1 und im Halbfinale der Nations League 2025 in Stuttgart mit 5:4. Diese Erfolge tragen zum Selbstvertrauen der spanischen Mannschaft bei.
Der spanische Nationaltrainer Luis de la Fuente reagierte auf Deschamps‘ Äußerung gelassen und betonte, dass die Favoritenrolle nichts bedeute. Er hob hervor, dass die französische Mannschaft seit 2025 viel dazugelernt habe und unterschiedliche Spielstile aufeinandertreffen würden. Entscheidend sei, wer die eigenen Stärken besser nutzen und die Schwächen des Gegners effektiver ausspielen könne.
Junge Talente im Fokus
Im Vorfeld des Halbfinales standen auch die jungen Spieler beider Teams im Mittelpunkt. Auf französischer Seite wurde der 20-jährige Warren Zaïre-Emery von seinem Trainer Didier Deschamps zur Pressekonferenz entsandt. Zaïre-Emery, Mittelfeldspieler von Paris Saint-Germain, hatte bei der Weltmeisterschaft bisher nur wenige Minuten gespielt.
Auf spanischer Seite feierte Lamine Yamal am Montag seinen 19. Geburtstag. Er äußerte den Wunsch, nach New York zu reisen, wo am 19. Juni das WM-Finale stattfindet. Yamal hatte bereits vor einigen Tagen selbstbewusst erklärt, dass die Franzosen eher Angst vor den Spaniern haben müssten, da diese Europameister seien.
Beide jungen Spieler wurden auch zu den jüngsten rassistischen Äußerungen befragt, die Spaniens ehemaliger Ministerpräsident Mariano Rajoy gemacht hatte. Lamine Yamal, der marokkanische und äquatorialguineische Wurzeln hat, betonte, dass Fußball Menschen zusammenbringen sollte. Zaïre-Emery, dessen Mutter von der französischen Überseeinsel Martinique stammt, hob hervor, dass Frankreich Spieler aus allen Herkünften und Rassen habe, was die Mannschaft ausmache.
Lamine Yamal, der mit der Rückennummer 19 spielt, gilt als eines der größten Talente. Sein Trainer Luis de la Fuente äußerte sich optimistisch über ihn und sagte, dass sein bestes WM-Spiel noch kommen werde. Yamal verpasste den letzten Teil der Klub-Saison und musste sich während der WM wieder in Wettkampfform bringen. Trotzdem ist er der gefährlichste Angreifer Spaniens und wird von seinen Teamkollegen häufig gesucht.
Ein weiterer junger Spieler, Pau Cubarsí, ebenfalls 19 Jahre alt und Vereinskollege von Yamal beim FC Barcelona, verstärkt die spanische Abwehr. Seine Art der Vorwärtsverteidigung und seine Passsicherheit passen ideal zum spanischen Spielstil und machen ihn zu einem perfekten Partner für Aymeric Laporte in der Innenverteidigung.
Taktische Einschätzungen und Teamstärke
Deschamps betonte, dass die französische Nationalmannschaft eine andere Mannschaft sei als in den vergangenen Jahren, mit mehr Erfahrung. Er hob hervor, dass sie bereit seien, Revanche zu nehmen. Unter Deschamps hat sich das Team neu erfunden und nutzt die offensive Wucht des Kaders konsequent aus, indem es bis zu vier Offensivkräfte einsetzt. Zu den gesetzten Spielern gehören Kylian Mbappé, Ousmane Dembélé und Michael Olise, während links Desiré Doué und Bradley Barcola abwechselnd spielen.
Spanien hingegen zeichnet sich durch eine beeindruckende Serie von 36 Spielen ohne Niederlage aus. Damit fehlt ihnen nur noch ein Spiel, um den Rekord von Italien aus den Jahren 2018 bis 2021 einzustellen. Torhüter Unai Simón hat bereits einen WM-Rekord für Minuten ohne Gegentor aufgestellt, indem er bis zum belgischen Treffer 650 Minuten unbezwungen blieb.
Die spanische Mannschaft von 2026 erinnert an das Team von 2010, das den einzigen WM-Titel des Landes gewann und auf dem Weg dorthin nur zwei Gegentore kassierte. Die Spielkontrolle Spaniens ist umfassend und dient gleichzeitig als beste Verteidigung. Das Mittelfeld, mit Rodri in Topform und Dani Olmo als Bindeglied zum Angriff, wird voraussichtlich das Spiel dominieren. Mikel Merino hat als Joker mit seinen Vorstößen bereits die Spiele gegen Portugal im Achtelfinale und Belgien entschieden.
Die Weltmeisterschaft hat in den vergangenen Wochen gezeigt, dass Frankreich und Spanien sich von anderen Top-Teams wie England und Argentinien abgesetzt haben. Statistisch belegen dies die höchsten Differenzen bei den „Expected Goals“: Frankreich mit +1,7 und Spanien mit +1,68. Beide Teams profitieren von eingespielten Trainern und Mannschaften sowie einer exzellenten Nachwuchsarbeit, die sich durch eine klare Spielidee auszeichnet.
Das Halbfinale zwischen Spanien und Frankreich wird am Dienstagabend um 21:00 Uhr MESZ ausgetragen.



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Source: sueddeutsche.de