Die private Altersvorsorge in Deutschland stand lange Zeit unter dem Einfluss der Riester-Rente, die 2002 eingeführt wurde, um die Lücken in der gesetzlichen Rente zu schließen. Trotz ihrer ursprünglichen Ziele hat sich die Riester-Rente als unzureichend erwiesen, was sich in der hohen Zahl von Verträgen zeigt, in die nicht mehr eingezahlt wurde. Schätzungen zufolge existierten Ende 2024 noch etwa 15 Millionen Riester-Verträge, von denen 20 bis 25 Prozent nicht mehr aktiv sind.
Mit der Reform, die ab dem 1. Januar 2027 in Kraft tritt, wird das Altersvorsorgedepot als Nachfolger der Riester-Rente eingeführt. Diese Reform stellt einen entscheidenden Moment dar, da sie eine Wahl zwischen verschiedenen Altersvorsorgeprodukten ermöglicht, darunter eine Variante mit 80-prozentiger Garantie und ein Altersvorsorgedepot ohne Garantien. Der Kostendeckel für Standardprodukte im neuen System beträgt 1 Prozent der Effektivkosten, was die Produkte für Sparer attraktiver macht.
Ein zentrales Ziel der Reform ist es, die private Altersvorsorge für Menschen mit geringem Einkommen und Selbstständige zugänglicher zu gestalten. Erstmals werden Selbstständige in die staatliche Förderung einbezogen, was eine bedeutende Veränderung darstellt. Die maximale Grundzulage für Sparer beträgt 540 Euro jährlich, während Eltern einen Kinderzuschlag von 300 Euro pro Kind und Jahr erhalten, sofern sie mindestens 25 Euro monatlich sparen.
Wichtige Momente
Die Reform wird voraussichtlich zusätzliche Kosten von rund 370 Millionen Euro für die Staatskasse verursachen. Dennoch wird erwartet, dass sie die private Altersvorsorge einfacher, günstiger und unbürokratischer macht. Der Bundestag soll am 26. März 2026 über die Reform abstimmen, was den endgültigen Rahmen für die Umsetzung festlegen wird.
Experten haben unterschiedliche Meinungen zu den Veränderungen. Finanzminister Lars Klingbeil betont: „Wir machen es für alle Generationen und alle Einkommen leichter, privat fürs Alter vorzusorgen.“ Im Gegensatz dazu äußert Jörg Asmussen, dass die Aufgabe des Staates darin bestehen sollte, private Vorsorge zu ermöglichen, nicht private Vorsorgeprodukte durch einen Staatsfonds zu verdrängen. Diese unterschiedlichen Perspektiven zeigen die Komplexität der Reform.
Kritik kommt auch von Sören Pellmann, der die Reform als einen Versuch sieht, die „bereits abgehalfterte Riesterrente“ über ein neues Modell wieder einzuführen. Dies wirft Fragen über die tatsächliche Wirksamkeit des Altersvorsorgedepots auf und ob es den Bedürfnissen der Sparer gerecht wird.
Für bestehende Riester-Verträge gilt Bestandsschutz, was bedeutet, dass Sparer in das neue Altersvorsorgedepot wechseln können, ohne die bisherigen Förderungen zurückzahlen zu müssen. Dies könnte dazu beitragen, dass viele Sparer die Vorteile des neuen Systems nutzen, ohne ihre bisherigen Investitionen zu verlieren.
Insgesamt stellt die Einführung des Altersvorsorgedepots einen bedeutenden Schritt in der Reform der privaten Altersvorsorge dar. Details bleiben unbestätigt, aber die Veränderungen könnten weitreichende Auswirkungen auf die Altersvorsorge in Deutschland haben.