Deutsche Meisterschaften: Blut-Crash beim Hochsprung
Bei den Deutschen Meisterschaften im Hochsprung ereignete sich ein Vorfall, bei dem Vize-Europameister Tobias Potye eine Platzwunde am Kopf erlitt. Der Athlet stieß während eines Versuchs mit dem Kopf gegen den Ständer der Hochsprunganlage. Trotz des Zwischenfalls sicherte sich Potye den Titel.
Potye, 31 Jahre alt, absolvierte die Höhen von 2,10 Meter und 2,15 Meter jeweils im ersten Versuch. Im weiteren Verlauf des Wettkampfes hatte er mit Falk Wendrich nur noch einen Konkurrenten um den Titel bei einer Höhe von 2,19 Meter. Beide Athleten scheiterten zunächst im ersten Versuch, Wendrich auch im zweiten.
Als Potye zu seinem nächsten Versuch anlief, sprang er ab und prallte mit dem Kopf gegen die Oberkante des seitlichen Ständers, der die Latte hält. Zunächst schien Potye die Verletzung nicht sofort zu bemerken. Er kehrte zu seinen Kollegen zurück und zerstörte aus Frust über den Fehlversuch seine Sonnenbrille. Erst danach bemerkte er, dass Blut über seine rechte Schläfe lief. Sanitäter versorgten ihn daraufhin am Rande der Bahn.
Falk Wendrich, der den zweiten Platz belegte, äußerte sich zu dem Vorfall. Er erwähnte, dass Potye immer wieder mit Wadenkrampfproblemen zu kämpfen habe. Dies sei bereits beim ersten Versuch über 2,19 Meter erkennbar gewesen, den Potye zunächst abgebrochen und dann mit wenig verbleibender Zeit doch noch ausgeführt hatte. Auch beim zweiten Versuch habe Wendrich gedacht, Potye würde abbrechen, doch dieser zog den Sprung durch, wobei laut Wendrich „überhaupt nichts mehr zusammengepasst“ habe.
Der Anlauf des missglückten Sprunges wirkte nicht flüssig. Wendrich bemerkte zudem, dass Potye normalerweise weit entfernt von der Latte abspringe, diesmal jedoch so weit rechts in der Kurve war, dass er gegen den Ständer sprang. Er hatte nicht erwartet, dass dies zu einer Platzwunde führen würde. Trotz des Missgeschicks gewann Potye den Titel, da er über 2,15 Meter einen Fehlversuch weniger hatte als Wendrich. Wendrich zeigte sich enttäuscht über seinen eigenen Ausgang, da er die 2,19 Meter dreimal nicht überwinden konnte.
Ansah gewinnt 100-Meter-Titel trotz Dopingverfahren
In Bochum sicherte sich Owen Ansah vom Hamburger SV den deutschen Meistertitel über 100 Meter. Dies gelang ihm trotz eines laufenden Verfahrens der Nationalen Anti Doping Agentur (Nada). Der 25-Jährige siegte in 10,00 Sekunden. Zuvor hatte er seinen nationalen Rekord auf 9,98 Sekunden verbessert.
Heiko Gussmann erreichte im Wattenscheider Lohrheidestadion mit 10,06 Sekunden den zweiten Platz. Ansah äußerte sich nach seinem Sieg im ZDF: „Ich wollte allen zeigen, dass ich der schnellste Deutsche bin. Ich wollte eine Show bieten, das habe ich geschafft.“
Die Nada hatte ein Verfahren gegen Ansah eingeleitet, da er eine Dopingprobe verweigert hatte. Trotzdem blieb der Athlet weiterhin startberechtigt. Laut seinem Anwalt plant Ansah, der Nada ausführliche Angaben zu machen. In einer Stellungnahme des Deutschen Leichtathletik-Verbands gab Ansah an, dass der Kontrolleur außerhalb seines angegebenen Probenzeitfensters geklingelt habe, als er gerade zum Diamond-League-Meeting nach Monaco am 10. Juli aufbrechen wollte. Er sei zu spät dran gewesen und konnte die Probe nicht kurzfristig abgeben, da er kurz zuvor die Toilette besucht hatte.
Lückenkemper Dritte nach Zeckenbiss
Bei den Frauen verpasste die ehemalige Europameisterin Gina Lückenkemper ihren siebten Titel über 100 Meter und belegte mit 11,29 Sekunden den dritten Platz. Jolina Ernst gewann den Wettbewerb in 11,26 Sekunden vor Emma Goretzka aus Berlin, die ebenfalls 11,26 Sekunden lief, aber wenige Tausendstel langsamer war.
Lückenkemper erklärte, dass ein Zeckenbiss in den Hinterkopf sie vor einigen Wochen für eine gewisse Zeit außer Gefecht gesetzt hatte. Sie beschrieb die Situation als sehr belastend und war den Tränen nahe. Da sie sogar eine Absage für die Meisterschaften in Betracht gezogen hatte, zeigte sie sich letztendlich glücklich über die Bronzemedaille.
Die Deutschen Meisterschaften boten somit sowohl dramatische Momente im Hochsprung als auch spannende Entscheidungen im Sprint, begleitet von persönlichen Herausforderungen der Athleten.
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Source: bild.de