Ursula von der Leyen über die Kernenergie
„Ich glaube, dass es für Europa ein strategischer Fehler war, einer zuverlässigen, bezahlbaren Quelle für emissionsarmen Strom den Rücken zu kehren“, erklärte Ursula von der Leyen während einer Pressekonferenz in Boulogne-Billancourt, Paris. Diese Aussage unterstreicht die wachsende Besorgnis über die Energiepolitik der Europäischen Union, insbesondere in Bezug auf die Kernenergie.
Die Anteile der Kernenergie im europäischen Energiemix sind in den letzten 30 Jahren erheblich gesunken. Während 1990 noch etwa ein Drittel des europäischen Stroms aus Kernenergie stammte, sind es heute nur noch rund 15 Prozent. Diese Entwicklung hat die Energiestrategien der EU stark beeinflusst.
Um auf diese Herausforderung zu reagieren, plant die EU eine Förderung der Kernenergie, um eine bezahlbare und klimafreundliche Stromversorgung sicherzustellen. Von der Leyen betonte, dass die EU an der weltweiten Renaissance der Kernenergie teilnehmen wolle: „In den letzten Jahren erleben wir eine weltweite Renaissance der Kernenergie. Und Europa will an dieser Renaissance teilhaben.“
Ein zentraler Bestandteil dieser Strategie ist die Einführung einer neuen europäischen Strategie für kleine modulare Reaktoren (SMRs), die bis Anfang der 2030er Jahre einsatzbereit sein sollen. „Unser Ziel ist einfach: Wir wollen, dass diese neue Technologie in Europa bis Anfang der 2030er Jahre einsatzbereit ist“, sagte von der Leyen.
Um private Investoren zu ermutigen, kündigte sie eine zukünftige Risiko-Garantie von 200 Millionen Euro für neue nukleare Technologien an. „Die Mittel dafür werden aus unserem Emissionshandel kommen“, fügte sie hinzu, was die finanziellen Rahmenbedingungen für Investitionen in die Kernenergie verbessern soll.
Aktuell ist das einzige Kernkraftwerk, das in der EU im Bau ist, der Reaktor Mochovce-4 in der Slowakei, dessen Bau bereits 1985 begann. Diese Tatsache verdeutlicht die Herausforderungen, vor denen die EU steht, um ihre Ambitionen im Bereich der Kernenergie zu verwirklichen.
Die EU strebt an, ein globales Zentrum für die nächste Generation der Kernenergie zu werden. Laut dem World Nuclear Industry Status Report 2025 wurden im Jahr 2025 weltweit vier neue Reaktoren ans Netz angeschlossen, während sieben Reaktoren stillgelegt wurden. Dies zeigt die dynamische Entwicklung in der globalen Kernenergiebranche.
Von der Leyen hob auch die Notwendigkeit der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit hervor, um die Entwicklung kleiner modularer Reaktoren voranzutreiben. Diese Kooperation könnte entscheidend sein, um die technologischen Fortschritte in der Kernenergie zu beschleunigen und die Energieziele der EU zu erreichen.
Die nächsten Schritte in dieser Strategie werden mit Spannung erwartet, da die EU versucht, die Bedingungen für Investitionen in die Kernenergie zu verbessern und gleichzeitig die Herausforderungen der Energieversorgung und des Klimaschutzes zu bewältigen.