Was Beobachter sagen
„Es ist keine Nazisuchmaschine. Das Archiv kann ein Einstieg in die Aufarbeitung von Familiengeschichten während der NS-Zeit sein.“ Diese Aussage von Martin Clemens Winter verdeutlicht die Bedeutung der kürzlich veröffentlichten Mitgliederkarteien der NSDAP im US Nationalarchiv. Die Veröffentlichung umfasst rund 16 Millionen Objekte zu NSDAP-Mitgliedern, die auf mehr als 5000 digitalisierten Mikrofilmrollen zur Verfügung stehen.
Die NSDAP hatte bis 1945 etwa 8,5 Millionen Mitglieder in Deutschland. Die Zentralkartei, die zwischen 1929 und 1943 angelegt wurde, umfasst etwa 4,3 Millionen Karten, während die Ortsgruppenkartei rund 6,6 Millionen Mitgliedskarten enthält. Diese umfangreiche Sammlung von Dokumenten wurde nach dem Krieg für Entnazifizierung und Prozesse genutzt, was ihre historische Relevanz unterstreicht.
Die Suche im Archiv gestaltet sich jedoch als herausfordernd. „Die Suche ist nicht einfach und erfordert spezifische Suchanfragen“, erklärt Winter weiter. Dies könnte für viele Familien, die mehr über ihre Geschichte während der NS-Zeit erfahren möchten, eine Hürde darstellen. Dennoch bietet die Veröffentlichung einen niederschwelligen Zugang zu den Daten, wie Claudia Kuretsidis-Haider betont.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die Mitgliedschaft in der NSDAP lediglich anzeigt, dass jemand eingetreten ist, jedoch wenig über das tatsächliche Verhalten dieser Personen aussagt. „Allerdings hat man durch den Beitritt auf jeden Fall eine Zustimmung signalisiert“, fügt Winter hinzu. Diese Nuance ist entscheidend für die Interpretation der Daten und deren Nutzung in der Forschung.
In Österreich wurden nach dem Zweiten Weltkrieg offiziell 540.000 NSDAP-Mitglieder registriert. Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes schätzt, dass insgesamt fast 700.000 Österreicher NSDAP-Mitglieder waren. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Auswirkungen der NSDAP-Mitgliedschaft weit über die Grenzen Deutschlands hinausgingen.
Die Rettung der Mitgliederkartei vor der Vernichtung durch Hanns Huber, der sie versteckte, ist ein weiterer bemerkenswerter Aspekt dieser Geschichte. Insgesamt wurden 65 Tonnen Papier gerettet, was die Bedeutung dieser Dokumente für die Nachkriegszeit und die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit unterstreicht.
Die Veröffentlichung der NSDAP-Mitgliederkarteien im US Nationalarchiv stellt somit einen bedeutenden Schritt in der Aufarbeitung der Geschichte dar. Sie ermöglicht es Historikern und Familien, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Details bleiben unbestätigt, aber die Relevanz dieser Archive für die historische Forschung ist unbestreitbar.