WM-Liveblog am Donnerstag: Thomas Tuchel bereut »absolut nichts« und will weitermachen – trotz Kritik
Englands WM-Traum endet erneut im Halbfinale
Die englische Nationalmannschaft hat erneut den Einzug in ein großes Finale verpasst. Im Halbfinale der Weltmeisterschaft unterlag das Team von Trainer Thomas Tuchel Argentinien mit 1:2. Diese Niederlage, die 60 Jahre nach dem letzten und einzigen WM-Triumph der „Three Lions“ erfolgte, stürzte die Nation erneut in tiefe Enttäuschung. Die Partie, die in Atlanta stattfand, beendete die Hoffnungen auf den ersten Titel seit 1966.
Die englischen Spieler sanken nach dem Schlusspfiff kollektiv zu Boden, gezeichnet von Frustration und Fassungslosigkeit. Es war das dritte Mal seit der Weltmeisterschaft 2018, dass England ein Halbfinale oder Finale bei einem großen Turnier nach einer Führung verlor. Die Medien und Experten äußerten sich kritisch zur Leistung und den Entscheidungen des Trainers.
Die Begegnung zwischen England und Argentinien war in den ersten 30 Minuten der Partie ungewöhnlich ereignislos, ohne einen einzigen Torschuss. Auch die Expected-Goals-Rate für die gesamte erste Hälfte war mit 0,08 sehr niedrig, der tiefste Wert seit 1966.
Tuchels taktische Entscheidungen im Fokus
Nachdem Anthony Gordon in der 55. Minute die Führung für England erzielt hatte, gerieten Tuchels taktische Umstellungen in den Mittelpunkt der Kritik. Fans und Experten zeigten sich verwundert über die Entscheidung, defensiv zu wechseln und auf eine Fünferkette umzustellen. Diese Maßnahme wurde von vielen als Risiko bewertet, das letztlich zum Verlust des Spiels führte.
Wayne Rooney kritisierte in der BBC, dass das Team nach der Führung nicht mehr gewusst habe, was zu tun sei und nicht versucht habe, ein zweites Tor zu erzielen. Er sah die Umstellung auf die Fünferkette als entscheidenden Fehler. Auch der ehemalige Nationaltorhüter Joe Hart äußerte Bedenken, dass England unter Tuchel weiterhin dazu neige, Führungen nur zu verwalten, anstatt offensiv zu bleiben.
Micah Richards, ein weiterer Experte, betonte, dass Tuchel geholt wurde, um den Unterschied zu machen, aber taktisch falsch gelegen habe. Er argumentierte, dass England den Schwung hätte beibehalten und offensiver hätte wechseln sollen, da das Team am Ende keine Antwort mehr gehabt habe.
Die Tore für Argentinien fielen in der 85. Minute durch Enzo Fernandez und in der 90.+2. Minute durch Lautaro Martínez, jeweils nach Vorlagen von Lionel Messi. Diese späten Gegentore besiegelten das Ausscheiden Englands und verstärkten die Diskussionen um die taktischen Entscheidungen des Trainers.

Medienkritik und Tuchels Reaktion
Die englische Presse reagierte drastisch auf das Ausscheiden. Schlagzeilen wie „Thomas Tuchels reine Feigheit beendete Englands WM-Traum“ von „The Independent“ oder „Katastrophale Entscheidung von Thomas Tuchel geht gegen Argentinien nach hinten los“ vom „Daily Star“ spiegelten die harte Kritik wider. „The Telegraph“ befand, dass Tuchel einen großen Teil der Schuld an der Niederlage trage. Die BBC kommentierte, dass ein Halbfinale gemessen an Tuchels Auftrag höchstens Durchschnitt sei und sogar als Misserfolg gewertet werden könne.
Trotz der massiven Kritik äußerte sich Thomas Tuchel unmittelbar nach dem Spiel zu seinen Entscheidungen. Er betonte, dass er „absolut nichts“ bereue und seine Analyse des Spiels zu diesen Entscheidungen geführt habe. „Sie können das mit einer Million Trainern diskutieren, aber ich habe das Match so analysiert und meine Entscheidung getroffen“, sagte Tuchel.
Tuchel erklärte den Verlust des Momentums nach der Führung psychologisch: „Dann gehen wir 1:0 in Führung – und plötzlich verlieren wir komplett das Momentum, das war unglücklich und sehr seltsam.“ Er fügte hinzu, dass die Argentinier plötzlich spielten, als hätten sie nichts mehr zu verlieren, während England spielte, als hätte es alles zu verlieren.

Zukunft von Thomas Tuchel
Trotz der heftigen Kritik und des enttäuschenden Ausscheidens im Halbfinale wird erwartet, dass Thomas Tuchel weiterhin Trainer der englischen Nationalmannschaft bleiben wird. Mehrere Medien, darunter die BBC und die „Times“, berichteten übereinstimmend, dass er das Team auch zur Heim-EM 2028 führen soll.
Die Europameisterschaft 2028 wird in England, Schottland, Irland und Wales stattfinden. Dies bietet den englischen Fans eine weitere Gelegenheit, auf einen Titel zu hoffen, und Tuchel die Möglichkeit, die Mannschaft auf dieses Heimturnier vorzubereiten.
Die Diskussionen um Tuchels taktische Entscheidungen und die Leistung des Teams werden voraussichtlich noch lange anhalten, doch die Berichte deuten darauf hin, dass er das Vertrauen behält, um die Mannschaft in die Zukunft zu führen.
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Source: spiegel.de