(S+) DFB-Auswahl: Sollte Joshua Kimmich ins Mittelfeld zurückkehren?
Diskussion um Kimmichs Position in der Nationalmannschaft
Die Rolle von Joshua Kimmich in der deutschen Nationalmannschaft ist nach den jüngsten Auftritten bei der Fußball-WM 2026 Gegenstand intensiver Diskussionen. Bundestrainer Julian Nagelsmann setzt den Spieler des FC Bayern München als Rechtsverteidiger ein, eine Position, die im Verein nicht seine primäre ist. Diese Entscheidung hat nach den schwierigen Gruppenspielen gegen die Elfenbeinküste und Ecuador zu einer breiten Debatte geführt.
Nach dem 2:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste wurde Kimmichs Geschwindigkeitsdefizit im Duell mit Yan Diomande thematisiert. Obwohl ihm die 1:2-Pleite gegen Ecuador nicht direkt angelastet wurde, befeuerte die Leistung des DFB-Teams die Frage, ob Kimmich in einer anderen Rolle, insbesondere im Mittelfeld, der Mannschaft besser dienen könnte.
Expertenmeinungen zur Mittelfeld-Rolle
Ehemalige Nationalspieler haben sich in die Debatte eingeschaltet. Philipp Lahm sprach sich im „kicker“ dafür aus, Waldemar Anton als Rechtsverteidiger einzusetzen und Kimmich ins Mittelfeld zu verschieben. Lahm betonte, dass Kimmichs Stärken und Führungsqualitäten im Mittelfeld gefragt seien und dass die Rechtsverteidigerposition ihm dort keinen Gefallen tue. Er erwähnte, dass es keinen großen Unterschied mache, ob Nathaniel Brown oder David Raum auf der linken Seite spielen.
Auch Lothar Matthäus äußerte eine ähnliche Ansicht und forderte Nagelsmann auf, Kimmich aus der Abwehr abzuziehen. Die Diskussion um Kimmichs Rolle ignoriert jedoch laut einigen Beobachtern zwei Kernpunkte, die eine solche Umstellung erschweren könnten.
Herausforderungen einer Positionsänderung
Eine Umstellung von Kimmichs Position würde ein erhebliches Risiko darstellen. Funktionierende Abläufe in der Abwehr und im defensiven Mittelfeld sind von großer Bedeutung. Die bisherige Doppel-Sechs mit Felix Nmecha und Aleksandar Pavlović hatte Schwierigkeiten, und es ist unklar, ob eine Rückkehr Kimmichs ins Mittelfeld die Situation notwendigerweise verbessern würde.
Obwohl Kimmich und Pavlović als Spieler des FC Bayern München gut miteinander vertraut sind, könnte Nagelsmann angesichts der bisherigen Leistungen eher auf Nmecha als auf Pavlović setzen, sollte er sich für eine Personalrochade mit Kimmich entscheiden. Dies würde das Argument der Eingespieltheit der beiden Bayern-Stars im Mittelfeld relativieren.
Im Sechzehntelfinale gegen Paraguay, das im Turnierverlauf zwei Tore erzielt hat, könnte eine solche Umstellung noch ohne größere Konsequenzen bleiben. Sollte es jedoch in einem möglichen Achtelfinale gegen Frankreich gehen, dürfte sich die Hintermannschaft der DFB-Elf keine Fehler erlauben.

Das Problem der Rechtsverteidigerposition
Die größere Herausforderung, die eine Verschiebung von Kimmich mit sich bringen würde, liegt in der Besetzung der Rechtsverteidigerposition. Kimmich spielt diese Rolle nicht willkürlich, sondern weil es seit dem Rücktritt von Philipp Lahm an deutschen Rechtsverteidigern von Weltklasse-Format mangelt. Seit der Europameisterschaft 2016 kam Kimmich bei großen Turnieren immer wieder auf dieser Position zum Einsatz.
Nur bei der WM 2022 begann er im Mittelfeld und wurde erst im letzten Gruppenspiel gegen Costa Rica in die Viererkette beordert, nachdem weder Niklas Süle noch Thilo Kehrer überzeugt hatten. Auch in der aktuellen Situation scheint Kimmich auf der rechten Abwehrseite unverzichtbar zu sein.
Als mögliche Ersatzspieler stehen im Kader lediglich Waldemar Anton und Malick Thiaw zur Verfügung. Thiaw hinterließ nach seiner Einwechslung gegen Ecuador keinen guten Eindruck, und ein weiterer WM-Einsatz für den 24-Jährigen ist wohl nur im Falle einer Verletzung zu erwarten. Die von Lahm vorgeschlagene Variante mit Anton auf dem Flügel könnte zudem gegnerischen Außenstürmern Vorteile verschaffen, da Anton als Innenverteidiger in puncto Geschwindigkeit und Beschleunigung Nachteile aufweist. Dies könnte auch Leroy Sané auf der rechten Offensivseite zum Alleinkämpfer machen.
Angesichts dieser Umstände bleibt Bundestrainer Nagelsmann in der Kimmich-Frage wohl nur eine Option: die aktuelle Strategie beizubehalten. Die Phase des Turniers und der Mangel an echten Alternativen schränken seine Handlungsoptionen ein, unabhängig von den Diskussionen in der Heimat.

Nagelsmanns Optionen und die aktuelle Situation
Die anhaltende Debatte um die optimale Position von Joshua Kimmich unterstreicht die Komplexität der Kaderplanung für die deutsche Nationalmannschaft. Nagelsmanns Entscheidung, Kimmich als Rechtsverteidiger einzusetzen, war ein Versuch, eine Problemzone im DFB-Team zu beheben. Jedoch hat diese Maßnahme eine neue Baustelle eröffnet, die nun intensiv diskutiert wird.
Die Schwierigkeiten in den Gruppenspielen haben die Aufmerksamkeit auf Kimmichs Rolle gelenkt und die Frage aufgeworfen, ob eine Rückkehr ins Mittelfeld die Mannschaft stabilisieren könnte. Trotz der prominenten Befürworter einer solchen Umstellung, wie Philipp Lahm und Lothar Matthäus, scheinen die Risiken einer Positionsänderung inmitten eines laufenden Turniers hoch zu sein.
Der Mangel an überzeugenden Alternativen auf der Rechtsverteidigerposition, die seit dem Rücktritt von Lahm eine Schwachstelle darstellt, bindet Nagelsmanns Hände. Die Leistungen von Spielern wie Malick Thiaw und die Bedenken hinsichtlich Waldemar Antons Tempo auf dem Flügel verstärken die Argumente für Kimmichs Verbleib auf der rechten Abwehrseite. Die aktuelle Situation deutet darauf hin, dass Nagelsmann an seiner bisherigen Strategie festhalten wird, zumindest bis zum nächsten Spiel gegen Paraguay.
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Source: spiegel.de