Plötzlich gibt es beim Baseball Sprechchöre für Deniz Undav - FOCUS online
Deutsche Feierlichkeiten im Fenway Park
Der Fenway Park in Boston war am Sonntagabend Schauplatz einer ungewöhnlichen „German Celebration Night“, die das Baseballspiel zwischen den Boston Red Sox und den New York Yankees mit der deutschen Fußballkultur verband. Vor dem Spiel dröhnte deutsche Musik durch das Stadion, darunter Lieder von „Major Tom“, den Toten Hosen, Höhner und Nena. Dieses Ereignis fand vor dem WM-Sechzehntelfinale der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Paraguay statt, das im etwa 50 Kilometer entfernten Foxborough ausgetragen wird.
Tausende deutsche Fans, viele von ihnen aus New York angereist, wo sie zuvor die 1:2-Niederlage Deutschlands gegen Ecuador in der Vorrunde verfolgt hatten, strömten nach Boston. Der DFB hatte rund 1.000 vergünstigte Tickets von den Red Sox erhalten, um den Fans die Teilnahme an dem Baseball-Event zu ermöglichen. DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte die Ehre, den zeremoniellen „First Pitch“ zu werfen, eine Aufgabe, für die er sich nach eigenen Angaben durch das Ansehen von Videos vorbereitet hatte. Sein Wurf, eine leichte Bogenlampe zum Catcher, wurde mit anerkennendem Applaus bedacht.

Die deutsche Fanpräsenz im Fenway Park reihte sich in eine Serie internationaler Fan-Auftritte während der WM 2026 ein. Zuvor hatten schottische Fans Boston in den ersten zehn WM-Tagen belebt und mit Dudelsäcken und etwa 6.000 Anhängern ein Baseballspiel besucht. Auch norwegische Fans waren mit ihrem „Ruder-Ritual“ im Stadion präsent. Deutsche Fans zeigten sich als sympathisch, feierfreudig und stimmungsvoll, wobei einige die Ähnlichkeit zu den Schotten im Umgang mit Getränken betonten.
Erwartungen an das WM-Sechzehntelfinale
Während die deutschen Fans im Fenway Park feierten, blickten sie gespannt auf das bevorstehende WM-Sechzehntelfinale gegen Paraguay. Viele Fans äußerten ihre Vorfreude und Erwartungen an das Spiel. Ein Fan aus Kempten, Thomas Neuert, erwartete ein „enges Spiel“ und tippte auf einen „2:1, 3:1-Sieg“. Er besitzt „follow your team-Tickets“, was bedeutet, dass er dem DFB-Team bei einem Sieg ins Achtelfinale nach Philadelphia folgen würde. Bei einem Ausscheiden gegen Paraguay wäre seine Reise am Dienstag beendet.
Die deutsche Nationalmannschaft unter Bundestrainer Julian Nagelsmann stand vor ihrem ersten K.-o.-Spiel bei einer WM seit dem Titelgewinn vor zwölf Jahren. Die Anreise der Mannschaft nach Boston verzögerte sich kurz, da ein Mitglied der Reisegruppe seinen Pass am Flughafen vergessen hatte. Der Pass musste aus dem nahegelegenen WM-Quartier in Winston-Salem geholt werden, bevor das Team mit etwa zwanzig Minuten Verspätung abheben konnte.

Auf einer Pressekonferenz äußerte sich Nagelsmann zum Gegner Paraguay, den er als unangenehm und defensivstark beschrieb. Er betonte, dass Paraguay sehr kompakt spiele, auf zweite Bälle gehe und schnell in die Tiefe agiere. Der Trainer forderte eine „perfekte Leistung“ von seiner Mannschaft, da Paraguay viel Körperlichkeit in das Spiel bringen werde. Nach den enttäuschenden Vorrunden-Ergebnissen bei den Weltmeisterschaften 2018 und 2022 lastete ein erheblicher Druck auf dem Team und dem Trainer.
Druck und Selbstkritik im Team
Julian Nagelsmann, dessen 37. Länderspiel als Bundestrainer anstand, sah sich mit hohen Erwartungen konfrontiert. Nach den früheren Enttäuschungen bei Weltmeisterschaften wäre ein drittes frühes Ausscheiden für den DFB kaum tragbar. Andreas Rettig, Geschäftsführer des Verbandes, erklärte, dass das Team nun „das Messer am Hals“ habe. Ein enttäuschendes letztes Gruppenspiel gegen Ecuador hatte die Stimmung verändert, und trotz elf Siegen in Serie zuvor blieben Zweifel bestehen.
Nagelsmann betonte die Notwendigkeit, das Spiel zu gewinnen und einen guten Plan zu haben. Er wollte die Startelf nicht verraten, erwähnte aber taktische Überlegungen, Änderungen vorzunehmen oder auch nicht. Für ihn sei es wichtig, den Fokus auf die eigene Spielidee zu legen und zu zeigen, was der Mannschaft im vorherigen Spiel gefehlt habe. Er erklärte, dass es im Fußball nur ums Gewinnen gehe: „Wenn du gewinnst, ist alles perfekt. Wenn du verlierst, ist alles shit. Also müssen wir gewinnen.“
Stürmer Kai Havertz vom FC Arsenal äußerte sich ebenfalls und beschrieb das bevorstehende K.-o.-Spiel als Erfüllung eines Kindheitstraums. Er zeigte sich selbstkritisch und meinte, dass er, Jamal Musiala und Florian Wirtz in Bezug auf ihre Offensivleistungen bei dieser WM noch nicht das Maximum erreicht hätten. Havertz betonte, dass die Mannschaft hundert Prozent geben müsse, da jede Aktion wichtig sei. Das Spiel in Foxborough war für Nagelsmann und seine Spieler von großer Bedeutung.
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Source: zdfheute.de