Hape Kerkeling sprach am 12. April 2026 in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald vor etwa 600 Anwesenden und erinnerte an die Opfer des Konzentrationslagers, das von 1937 bis 1945 fast 280.000 Menschen inhaftierte. In seiner Rede warnte Kerkeling eindringlich vor einer „Kultur des Wegschauens“ und betonte die Notwendigkeit, die Erinnerung an die Gräueltaten wachzuhalten, um zukünftige Verbrechen zu verhindern.
Der Anlass der Veranstaltung war der 81. Jahrestag der Befreiung von Buchenwald. Kerkeling, dessen Großvater Hermann Kerkeling von 1942 bis 1945 als politischer Häftling in Buchenwald inhaftiert war, erinnerte an die dunkle Geschichte des Lagers. Hermann Kerkeling wurde am 5. März 1933 von der Gestapo verhaftet und später zu neun Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er drei Jahre in Buchenwald verbrachte.
In seiner bewegenden Ansprache sagte Kerkeling: „Wenn heute wieder Kräfte erstarken, die unsere Erinnerungskultur diffamieren, dann ist das ein Schlag ins Gesicht aller Opfer und ihrer Nachfahren.“ Diese Worte unterstrichen die Dringlichkeit, sich gegen das Vergessen und die Relativierung der Geschichte zu stemmen.
Er fügte hinzu: „Die Barbarei beginnt nicht mit dem ersten Schuss. Sie beginnt dort, wo Menschen nur noch Nummern sind.“ Diese Aussage verdeutlicht die Gefahren, die mit der Entmenschlichung von Individuen einhergehen, und ruft dazu auf, die Menschlichkeit stets zu bewahren.
Die Gedenkveranstaltung wurde von zwei ehemaligen Insassen des Lagers besucht, die ebenfalls ihre Erfahrungen teilten. Kerkeling betonte, dass Demokratie kein einmaliges Geschenk sei, sondern ein Versprechen, das jede Generation aufs Neue verteidigen müsse. „Wer heute wegschaut oder jenen applaudiert, die die Geschichte umschreiben wollen, der macht sich mitschuldig,“ warnte er.
Die Gedenkstätte Buchenwald, die als nationales Denkmal in der ehemaligen DDR diente, ist ein wichtiger Ort der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Von den fast 280.000 Inhaftierten in Buchenwald überlebten mehr als 56.000 nicht die unmenschlichen Bedingungen des Lagers.
Die Veranstaltung war jedoch nicht ohne Kontroversen, da es in der Nähe politische Demonstrationen gab, die die Aufmerksamkeit auf die aktuellen gesellschaftlichen Spannungen lenkten. Beobachter erwarten, dass solche Ereignisse in Zukunft weiterhin Diskussionen über die Erinnerungskultur und die Verantwortung der Gesellschaft hervorrufen werden.