Er steckt hinter „Mia san Mia“: Er ist der Mann, den Klopp unbedingt wollte
Jürgen Klopp, der seine fußballerische Laufbahn in Glatten im Nordschwarzwald begann, wurde offiziell als neuer Bundestrainer vorgestellt. Die Nachricht löste in seiner Heimatgemeinde, die etwa 2.500 Einwohner zählt, große Freude aus. Viele Bewohner äußerten ihren Stolz über die Ernennung von „ihrem Jürgen“.
Christine Mongiatti, deren Ehemann Reinhard Ehrenmitglied beim SV Glatten ist, betonte den Stolz der Gemeinde auf Klopps Werdegang. Reinhard Mongiatti, der mit Klopps Vater Norbert befreundet war, erzählte Anekdoten aus Klopps Kindheit, darunter, wie er als Vierjähriger mit einem Schaumgummiball durch das Wohnzimmer spielte. Klopp begann seine Karriere beim SV Glatten und spielte dort elf Jahre in der Jugendabteilung, bevor er 1983 zum TuS Ergenzingen wechselte. Sein Weg führte ihn später über Mainz und Dortmund nach Liverpool und nun zum DFB.
Die Ernennung von Klopp zum Bundestrainer beschäftigt auch Melanie Berisha aus Glatten, deren kleiner Sohn Elias in der F-Jugend des SV Glatten spielt. Sie bezeichnete die Entscheidung als „sehr geil“ und hob hervor, dass Klopp „einer von uns hier aus Glatten“ sei. Nikolai Steinwandt äußerte die Hoffnung, dass Klopp einen besseren Job machen werde als sein Vorgänger Julian Nagelsmann und bezeichnete Klopp als „Legende“.
Marc Kosicke: Der Mann hinter Klopp
Eine entscheidende Rolle bei Klopps Entscheidung, das Amt des Bundestrainers anzutreten, spielte Marc Kosicke. Kosicke, der bei der Präsentation von Jürgen Klopp in der ersten Reihe saß, wird als wichtiger „Schattenmann“ in Klopps Karriere beschrieben. Die Zusammenarbeit zwischen Klopp und Kosicke begann bereits 2006, als Kosicke noch die Marketing-Abteilung von Nike leitete. Ursprünglich war es nicht Kosickes Plan, Klopp als Klienten zu gewinnen, doch nach der WM 2006, bei der Klopp als TV-Experte für das ZDF tätig war, entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit, die in eine Freundschaft mündete.
Als Kosicke 2007 seine Agentur „projectFive“ gründete, gehörte Klopp neben dem damaligen DFB-Manager Oliver Bierhoff zu seinen ersten Klienten. Kosicke gilt als Pionier in der Rolle des Trainer-Beraters und vertrat später auch andere bekannte Trainer wie Julian Nagelsmann und Florian Kohfeldt. Er unterstützte zudem Manager wie Max Eberl bei Vertragsverhandlungen und pflegt gute Beziehungen zum FC Bayern München. Kosicke war es auch, der 2008 den Slogan „Mia san Mia“ für den FC Bayern entwickelte, nachdem er zufällig mit Uli Hoeneß auf einem Flug zu einem Fifa-Kongress in der Schweiz war.
Die Beziehung zwischen Klopp und Kosicke ist so eng, dass Kosicke für die neue Aufgabe beim DFB sein Amt als Geschäftsführer seiner Agentur aufgibt und keine anderen Trainer mehr betreuen wird. Klopp bezeichnete Kosicke bei seiner Vorstellung als „Co-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation“ und betonte die Notwendigkeit, jemanden an seiner Seite zu haben, der sich um die vielen Dinge außerhalb des Sports kümmert. Kosicke, der gebürtig aus Bremen stammt, lebt in Kassel und ist mit der TV-Moderatorin Yvonne Ransbach verheiratet. Er hat drei Söhne und wird als Marketing- und Strategie-Genie beschrieben, der Fähigkeiten mitbringt, die Klopp selbst fehlen.
Klopps Medienverständnis und die Rolle von Marc Kosicke
Bei seiner Vorstellung als Bundestrainer äußerte Jürgen Klopp auch deutliche Worte an die Medienvertreter. Er gab zu verstehen, dass er Journalisten und Interviews während seiner Auszeit als Vereinstrainer nicht vermisst habe. Trotzdem suchte er den Schulterschluss mit der Presse, um den Weg zurück zu einer „strahlenden Fußball-Nation“ gemeinsam zu gehen. Klopp wünscht sich eine harmonische und zugewandte Berichterstattung und forderte von Journalisten Sachlichkeit und den Einsatz des Verstandes.
Allerdings enthielten seine Äußerungen auch unterschwellige Drohungen. Klopp erklärte, dass er gehen würde, wenn die Medien ihn als „scheiße“ bezeichnen oder der DFB nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten wolle. Er verknüpfte dies auch mit dem Schutz seiner Privatsphäre und seiner Familie. Diese Haltung, jede Form von scharfer Kritik mit einem sofortigen Rückzug zu verbinden, deutet auf ein bestimmtes Verständnis von öffentlicher Debatte hin. Klopp betonte: „Ich mache das nicht gegen euch, sondern für euch“, und inszenierte seine Aufgabe als selbstlosen Dienst an der Öffentlichkeit, der Loyalität und Zurückhaltung der Medien einfordere.
Die Integration von Marc Kosicke, Klopps langjährigem Medienberater, in den offiziellen DFB-Stab wird als strukturelle Veränderung gesehen. Dies könnte eine „professionelle Filterblase“ schaffen und die Kontrolle über das Narrativ rund um die Nationalmannschaft zum Ziel haben, weg von kritischer Begleitung hin zu gesteuerter Imagepflege. Klopp verwies auch auf den Umgang der Medien mit seinen Vorgängern Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel und betonte, dass es „nur um die Sache“ gehe. Er scheint eine bedingungslose Unterstützung durch die Medien einzufordern, was wenig Raum für kritische Distanz lässt, die im unabhängigen Sportjournalismus üblich ist. Die Familie Hermann aus Glatten wünschte Klopp alles Gute und hofft, dass er seine Bodenständigkeit und seine Verbindung zu Glatten beibehält.

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Source: bild.de