"Gelbe" Hinweise bei WM: Fifa schwieg über Wett-Warnhinweise
Hinweise auf Wettunregelmäßigkeiten bei der Weltmeisterschaft
Während der jüngsten Fußball-Weltmeisterschaft registrierte das internationale Überwachungsnetzwerk „Group of Copenhagen“ sieben sogenannte gelbe Hinweise auf mögliche Wettunregelmäßigkeiten. Diese Hinweise wurden im Rahmen der Überwachung der insgesamt 104 Spiele ausgesprochen. Die Fifa hatte nach dem Turnier jedoch erklärt, keinerlei verdächtige Wettaktivitäten festgestellt zu haben.
Die „Group of Copenhagen“ ist ein vom Europarat gegründetes Netzwerk zur Bekämpfung von Spielmanipulationen und war Teil der Integritätsarbeitsgruppe der Fifa. Ein gelber Hinweis bedeutet, dass erste Anhaltspunkte für mögliche Unregelmäßigkeiten vorliegen, die eine weitere Prüfung erfordern. Das Farbsystem des Gremiums umfasst auch schwerwiegendere Stufen: Orange für erhöhte Alarmbereitschaft bei konkreten Hinweisen und Rot für höchste Alarmbereitschaft bei eindeutigen Belegen. Laut dem Gremium gab es keine Hinweise in den Kategorien Orange oder Rot.
Die Fifa teilte am Dienstag mit, dass ihre Integritätsarbeitsgruppe „weder verdächtige Wettaktivitäten noch Anzeichen für Spielmanipulationen im Zusammenhang mit irgendeiner Partie“ festgestellt habe. Der Weltverband ergänzte, dass dank der engen Zusammenarbeit innerhalb der Arbeitsgruppe „potenzielle Hinweise auf Spielmanipulationen sowie etwaige Maßnahmen fachkundig, koordiniert und rasch beurteilt werden“ konnten.
Besondere Überwachung und der Fall Balogun
Die „Group of Copenhagen“ erklärte, dass die Ausweitung der Weltmeisterschaft auf 48 Mannschaften „verstärkte Überwachungsmaßnahmen“ erforderlich gemacht habe. Im Fokus standen dabei Wettmärkte, Quotenentwicklungen und die Entfernung von Wettangeboten. Erstmals überwachte das Gremium auch kontinuierlich sogenannte Prognosemärkte.
Diese Prognosemärkte agieren anders als klassische Wettbüros als Makler, indem sie Käufer und Verkäufer mit gegensätzlichen Erwartungen zusammenführen. Die „Group of Copenhagen“ wies darauf hin, dass „diese Märkte neue Herausforderungen für die Integrität darstellen, da sie es Nutzern ermöglichen, auf eine Vielzahl von Ereignissen zu wetten – oft anonym und unter Verwendung schwer nachverfolgbarer Zahlungsmethoden.“

Ein Bericht der „Group of Copenhagen“ legt nahe, dass der Fall um die von der Fifa aufgehobene Sperre von Folarin Balogun bei der Weltmeisterschaft möglicherweise noch weitreichender ist als bisher angenommen. Der Bericht, der noch nicht offiziell veröffentlicht wurde, zitiert aus einer Quelle, die über den Inhalt informiert ist. Demnach soll die „Causa Balogun“ zu den sieben Hinweisen auf mögliche Spielmanipulationen gehören.
Die Erkenntnisse deuten darauf hin, dass der auf Kryptowährungen basierende amerikanische Prognosemarkt Polymarket am 2. Juli eine Wettoption mit der Frage „Wird Folarin Balogun gegen Belgien spielen?“ eröffnete. Dies geschah am selben Tag, an dem der US-Stürmer im Achtelfinale gegen Bosnien und Herzegowina die Rote Karte erhielt. Die Disziplinarkommission der Fifa bestätigte erst am 5. Juli, dass Balogun nach der Aussetzung seiner Sperre spielberechtigt sein würde.
Für die anderen 14 Profis, die während des Turniers eine Rote Karte erhielten und bei denen die Sperre nicht nachträglich ausgesetzt wurde, wurden keine derartigen Wettmärkte eröffnet. Der Vorwurf des Handels mit Insiderwissen steht im Raum. Die „Group of Copenhagen“ hat der Fifa eine offizielle Anfrage um eine schriftliche Stellungnahme zum Fall Balogun übermittelt.
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Source: t-online.de