Matthäus enthüllt den entscheidenden Tuchel-Fehler - WELT
Die englische Nationalmannschaft musste ihren Traum vom WM-Titel begraben, nachdem sie im Halbfinale gegen Argentinien eine 1:2-Niederlage hinnehmen musste. Diese Niederlage, die in der Nachspielzeit besiegelt wurde, hat Erinnerungen an frühere dramatische Niederlagen geweckt und zu deutlicher Kritik an Trainer Thomas Tuchel geführt.
Der deutsche Rekordnationalspieler Lothar Matthäus äußerte sich kritisch zu Tuchels taktischen Entscheidungen. Er zog Parallelen zum Champions-League-Finale 1999 zwischen dem FC Bayern und Manchester United, bei dem er selbst ausgewechselt wurde und das Spiel kippte. Matthäus betonte, dass man in einer entscheidenden Spielphase seinen „Quarterback“ nicht auswechselt.
Tuchels umstrittene Wechsel
Im Spiel in Atlanta führte England durch ein Tor von Anthony Gordon in der 55. Minute mit 1:0 gegen Argentinien. Matthäus zufolge hatte England das Spiel zu diesem Zeitpunkt unter Kontrolle. Doch dann nahm Tuchel in der 72. Minute Anthony Gordon vom Feld und brachte Innenverteidiger Ezri Konsa. Kurz darauf folgten weitere defensive Wechsel: Dan Burn kam für Reece James und, entscheidend, Nico O’Reilly für Declan Rice in der 82. Minute.
Nur drei Minuten nach der Auswechslung von Declan Rice erzielte Enzo Fernández aus rund 20 Metern den Ausgleich für Argentinien. Der eingewechselte Lautaro Martínez köpfte Argentinien in der 90.+2 Minute ins Finale und eliminierte England aus dem Turnier. Matthäus bezeichnete die Auswechslung von Rice, dem zentralen Mittelfeldspieler des FC Arsenal, als entscheidenden Fehler. Rice, den Tuchel zuvor zum FC Bayern holen wollte, sei für die Statik des Spiels von großer Bedeutung.
Matthäus argumentierte, dass die Wechsel von Tuchel ein fatales Signal an den Gegner sendeten. Vor den Auswechslungen hatte Argentinien kaum Raum für Kombinationen und keine Torchancen. Nach der Umstellung auf eine Fünfer- oder sogar Siebenerkette hatte Argentinien plötzlich viel Platz und kam zu zahlreichen Gelegenheiten. Lionel Messi, der zuvor zentral agierte, verlagerte sich auf den rechten Flügel und bereitete von dort beide Tore vor. England wurde zu passiv und konnte keine Entlastungsangriffe mehr starten.
Trotz der defensiven Ausrichtung gelang es den Engländern nicht, die Flügel zu schließen, da sie sich zu stark auf das Zentrum konzentrierten. Matthäus betonte, dass England ein starkes Turnier gespielt und unter anderem gegen Kroatien, Mexiko und Norwegen überzeugt hatte. Auch gegen Argentinien sei England bis zu Tuchels taktischem Fehler leicht besser gewesen. Matthäus sieht in Tuchels Vorgehen eine Parallele zu ehemaligen Trainern, die durch „überschlauen“ Entscheidungen wichtige Spieler aus dem Spiel nahmen.
Tuchel selbst erklärte nach dem Ausscheiden, dass er nicht das Gefühl gehabt habe, dass offensive Wechsel geholfen hätten. Dies steht im Gegensatz zu seiner bisherigen Wechselpolitik im Turnier, die oft offensiver ausgerichtet war.
Reaktionen und Kapitäns Worte
Auch englische Fußballlegenden kritisierten Tuchels Taktik. Wayne Rooney merkte an, dass man förmlich nach Ärger suche, wenn man Messi und Argentinien erlaube, auf einen zuzustürmen. Gary Lineker äußerte sein Unverständnis darüber, gegen den besten Fußballer der Welt so tief zu verteidigen, und fragte scherzhaft, ob Tuchel ein deutscher Spion sei. Thomas Müller, eine Legende des DFB und des FC Bayern, zeigte sich in einem Instagram-Video fassungslos darüber, wie England das Spiel nach der Führung angegangen sei und Argentinien eingeladen habe, Flanken zu schlagen.
Englands Kapitän Harry Kane meldete sich nach der bitteren Niederlage ebenfalls zu Wort. Er drückte seine Enttäuschung aus, dass England nach 2018 erneut im Halbfinale scheiterte und den erhofften zweiten WM-Titel nach 1966 verpasste. Kane schrieb, dass das Team in den letzten sieben Wochen alles gegeben habe und es schwer zu verkraften sei, dass es nicht gereicht habe. Trotz der Niederlage sei er „stolz auf die Jungs“ und wolle weiterhin nach Ruhm streben und dafür kämpfen. Er versprach, dass das Team wieder aufstehen und es erneut versuchen werde.
Für England steht am Samstag noch das Spiel um Platz drei gegen Frankreich an.
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Source: welt.de